Systemfehler im Deutschlandtakt

Die Entwicklung des Bürgerdialogs zur Neubaustrecke Bielefeld – Hannover macht einen Systemfehler im Deutschlandtakt sichtbar: Der Fahrplan wurde optimiert ohne ausreichende Prüfung von Alternativen, ohne wirkliche Prüfung der fahrplantechnischen Wirksamkeit und Rücksicht auf die lokalen Bedürfnisse der Bürger und der lokalen Umweltwirkungen. Diesen Prüfungsprozess nachzuholen wird von der Bundesregierung verweigert.

Video-Vortrag: Systemfehler im Deutschlandtakt (12 Minuten)

Entstehung des Zielfahrplans und Beteiligungsprozess

Der Zielfahrplan, der  derzeit als Deutschlandtakt bezeichnet wird, ist innerhalb von 3 Jahren unter Beteiligung vieler Gutachter, unter Mitwirkung des Zukunftsbündnisses Schiene und unter Konsultation der Landesregierungen und der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs entstanden. Damit ist eine fahrplantechnische und wirtschaftliche Optimierung durchgeführt worden, bei der ausschließlich Interessen der Schienenbranche wirksam geworden sind. Umweltinteressen und die Prüfung von Alternativen mit dem Ziel, Landschaftsverbrauch und Belastungen der Bürger zu minimieren, wurden nicht durchgeführt. Diese sollen erst nach Fertigstellung des Fahrplans durchgeführt werden, wobei der Fahrplan selbst und damit das Ausmaß von Neubauten nicht mehr diskutiert werden darf – so ist das Ergebnis des Workshops am 19. April 2021 zu verstehen.

Systemfehler bei Erstellung des ZielfahrplansSo werden Bürgerinteressen ignoriert. (Zum Vergrößern anklicken),

Nicht nötig? Optimierung des Nutzens

Das Bundesschienenwegeausbaugesetz verlangt für Neubauprojekte, dass der Nutzen die Kosten übersteigt. Sobald ein Wert von mehr als 1,0 erreicht wird (gegebenenfalls mit Tricks), ist der Bau zulässig, ohne dass eine weitere Optimierung des Nutzens und eine Minimierung der Kosten stattfinden muss. Daher hält die Bundesregierung eine Prüfung von Alternativen für nicht notwendig.
Daher unterbleibt auch eine fahrplantechnische Detailprüfung. Effekte, wie das Nichtbestehen von Anschlüssen werden ignoriert. Wesentlicher Grund ist, dass die Nutzen-Kosten-Rechnung solche Effekte nicht einbezieht.

Die Wirkung auf das Projekt Bielefeld – Hannover

Zur Neubaustrecke Bielefeld – Hannover kommen neben der direkten Neubautrasse mit 31 Minuten Fahrzeit Alternativen mit etwa 36 Minuten Fahrzeit und 41 Minuten Fahrzeit in Betracht. Die Bewertung ist bisher ausschließlich auf dieser Website erfolgt. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass die Alternative mit 36 Minuten Fahrzeit für Hannover – Bielefeld die Fahrzeit Hannover – Osnabrück um etwa 15 Minuten gegenüber dem Zielfahrplan verkürzt – dieser Fakt wird in der bisherigen Diskussion völlig ausgeblendet. Eine systematische Bewertung von Alternativen wie die hier gezeigte ist bisher nicht durchgeführt worden.

Tabelle der BewertungZum Vergrößern anklicken

Die Forderung nach einer Prüfung von Alternativen ist berechtigt. Diese Prüfung muss auch Alternativen erfassen, die der Vorgabe einer bestimmten Fahrzeit von Bielefeld nach Hannover nicht vollständig genügen und die Prüfung von Maßnahmen einschließen, die außerhalb des unmittelbaren Projektbereichs – etwa östlich von Hannover – die Funktionsfähigkeit des Deutschlandtakts als Ganzes sichern.

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Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.

Tabelle der Bewertung