Deutschlandtakt braucht keine Neuberechnung

Medieninformation – 23. Februar 2025

Transeuropäisches Schienennetz braucht mehr Kapazität und schnellere Züge

Transeuropäisches Schienennetz kann nicht nach lokalen Wünschen geplant werden

Bürgerproteste auf Datenbasis von vorgestern

Anlass: 23. Februar Beratung Petitionsausschuss des Bundestages über „Deutschlandtakt neu berechnen“ der Bürgerinitiative Widuland

Der Deutschlandtakt braucht keine Neuberechnung. Das transeuropäische Schienennetz kann nicht nach lokalen Wünschen geplant werden. Darauf weist die Initiative Deutschlandtakt anlässlich einer Petition hin, die eine Neuberechnung des Deutschlandtakts verlangt. Bundesweit wollen Bürgerinitiativen Neubaustrecken der Bahn auf transeuropäischen Verkehrsachsen vor ihrer Haustür verhindern und stellen in Abrede, dass es Engpässe im Schienennetz gebe. Die Verkehrsprognose 2040 lässt aber keine andere Wahl zu als die Beseitigung der Engpässe nach europäischem Standard.

Die Bürgerinitiative Widuland, die die Petition veranlasst hat, hat ihren Sitz in Vlotho, einer Kleinstadt an der Weser. Die Bürgerinitiative möchte verhindern, dass für den Hochgeschwindigkeits- und Güterverkehr der Bahn in der Nähe der Stadt eine Brücke über die Weser errichtet wird. Diese Planung im Auftrag der Bundesregierung soll mehr Kapazität und schnellere Verbindungen zwischen dem größten Ballungsraum Deutschlands an Rhein und Ruhr und der Bundeshautstadt Berlin schaffen. Erst im Dezember 2025 war nach Untersuchung von Alternativen die Trasse an Vlotho vorbei als ökologisch und wirtschaftlich beste Variante festgestellt worden.
Die Bürgerinitiative Widuland hält das nicht für nötig und verweist auf eine Studie, nach der das vorhandene Streckennetz der Bahn in Ostwestfalen ausreichen würde. Die Studie berücksichtigt aber nicht die Daten der Verkehrsprognose 2040 und den Bedarf der Region für eine S-Bahn, und befindet sich daher nicht mehr auf dem heutigen Stande der Wissenschaft und der aktuellen Entwicklung des transeuropäischen Schienennetzes.

Bürgerproteste auf Datenbasis von vorgestern

Bürgerproteste, die sich auf längst überholte Daten berufen, prägen bundesweit die Proteste gegen Projekte des Deutschlandtakts, deren Planung die Bundesregierung in Auftrag gegeben hat. Insbesondere die schlimmsten Engpässe für den Güterverkehr sind von solchen Protesten betroffen, beobachtet die Initiative Deutschlandtakt. So will eine Bürgerinitiative aus Norddeutschland mit Daten aus der Zeit vor 2015 den Bau einer Neubaustrecke zwischen Hamburg und Hannover verhindern. Für Hamburg – Hannover hat aber eine eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung nachgewiesen, dass zwei neue Gleise notwendig sind, um den Verkehrsbedarf für Güter und Reiseverkehr zu bewältigen. Schon heute gilt die vorhandene Strecke als hoffnungslos überlastet.
Für die Anschlussstrecke zum Brenner Basis-Tunnel nach Italien von München zur österreichischen Grenze bei Kufstein („Brenner-Nordzulauf“) machen Bürgerinitiativen ebenfalls geltend, dass die vorhandene Strecke ausreiche. Eine Studie zu Verkehrsentwicklungsszenarien 2050 auf dem Brenner-Nordzulauf des Bundesverkehrsministeriums hat auch hier das Gegenteil nachgewiesen.
Für die von der Bürgerinitiative Widuland angegriffene Planung liegt eine solche Studie noch nicht vor. Der Deutschlandtakt wird aber aufgrund der aktuellen Verkehrsprognose 2040 nachweisen, dass je Stunde und Richtung bis zu 20 Fern-, Regional- und Güterzüge zu erwarten sind. Dabei sind Sprinter und Züge zu Spitzenzeiten noch nicht einbezogen. Die in Ostwestfalen vorhandenen vier Gleise genügen daher nicht, um diesen Verkehrsbedarf zu decken. Aus Sicht der Initiative Deutschlandtakt wird es kein Problem sein, die Notwendigkeit des Neubauprojekts nachzuweisen.

Deutschlandtakt-Projekte von europäischer Dimension und europäischem Standard

Die Europäische Union macht mit der Ausweisung transeuropäischer Korridore vorbildliche Arbeit. Der auf wissenschaftlicher Basis erarbeitete Deutschlandtakt setzt dieses europäische Konzept in Deutschland so um, dass möglichst viele Bürger davon Vorteile haben. Dafür braucht es keine Neuberechnung.
Bei allen großen umstrittenen Projekten des Deutschlandtakts handelt es sich um den Ausbau transeuropäischer Achsen. Europäische Verkehrsachsen von Rotterdam, Brüssel und Paris im Westen bis nach Skandinavien im Norden und bis Tallinn, Warschau und Prag im Osten führen durch Ostwestfalen und damit von Bielefeld nach Hannover. Für diesen transeuropäischen Korridor sieht der Deutschlandtakt eine Neubaustrecke vor und verwendet dafür den europäischen Standard von 300 Kilometern pro Stunde für Hochgeschwindigkeitszüge, der auch in Frankreich, Italien und Spanien üblich ist. Die heute vorhandene Strecke führt nicht nur durch historisch und geografisch bedingte Umwege, sondern lässt abschnittweise nicht mehr als 120 km/h zu. Die Neubaustrecke soll daher diese internationale Verbindung um 10 % (10 Kilometer) verkürzen und um ein Drittel beschleunigen (31 statt 49 Minuten Fahrzeit Bielefeld – Hannover). Die ambitioniert erscheinenden Ziele des ‚Deutschlandtakts beruhen auf der umfassenden Prüfung von Alternativen auf Wirtschaftlichkeit und Effizienz des geplanten Schienennetzes.

Bürgerinitiative Widuland will langsame Bahn

Die Vorstellungen der Bürgerinitiative Widuland laufen darauf hinaus, dass Deutschland mit einer langsamen Eisenbahn zufrieden sein solle. So will der Deutschlandtakt die Voraussetzungen schaffen, dass die Fahrzeit von Bielefeld nach Hamburg auf 90 Minuten sinkt. Heute braucht man von Hamburg nach Bielefeld rund 3 Stunden, und nach den Vorstellungen der Vlothoer Aktivisten sollen die Bürger Ostwestfalens auch künftig kaum schneller als heute unterwegs sein.

Hochgeschwindigkeitsverkehr ist Erfolgsgeschichte

Wenn die Kapazität im vorhandenen Schienennetz nicht ausreicht, sollen nach der Planung des Deutschlandtakts die Hochgeschwindigkeitszüge auf eigene Gleise verlagert werden, auf denen vor allem hohe Geschwindigkeiten erreicht werden. Erst die hohe Geschwindigkeit macht die Bahn gegenüber Auto und Flugverkehr konkurrenzfähig, das weisen alle Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen in Europa nach. Das rechtfertigt auch den geringen Flächenverbrauch, der weitaus geringer ist als für Straßen und Gewerbegebiete. Erst durch die Verlagerung von schnellen Zügen auf eigene Gleise kann wiederum der Güterverkehr auf der Schiene schneller und effizienter werden und Autobahnen von Lastwagen-Kolonnen entlasten. Die weit überdurchschnittlich hohe Auslastung von Hochgeschwindigkeitszügen rechtfertigt auch den Energieverbrauch. So braucht ein Sitzplatz im ICE nur ein Drittel der Energie, die eine Fahrt im Elektroauto erfordert. Um das zu erkennen, muss man das Gesamtsystem betrachten und europaweit denken, meint die Initiative Deutschlandtakt:

Zur Stellungnahme der Initiative Deutschlandtakt zur Petition