Das Projekt

Neubaustrecke Bielefeld – Hannover

und Schnellfahrstrecke Bielefeld – Hamm

Neu auf der Website: Was bedeuten Suchraum und Schüßler-Varianten? aktualisiert 3.2.2021
Neu auf dieser Website: Bericht und Kommentar zum Auftakt
Neu auf dieser Website: Wie transparent ist das Verfahren? Worauf kommt es an?
Neu auf dieser Website: Vergleichbare Projekte
Video: Neubaustrecke in 7 Minuten erklärt
Video: Bestandsstrecke im Deutschlandtakt? Eine vertiefte Analyse

Video: Neubaustrecke im Deutschlandtakt, Alternative verkürzte Neubaustrecke.

Eine Neubaustrecke Bielefeld – Hannover und eine Schnellfahrstrecke Bielefeld – Hamm ist Inhalt des Zielfahrplans 2030+. Im dritten Entwurf vom 30. Juni 2020 dieses Zielfahrplans ist diese Planung bestätigt und ergänzt worden. Der Planungsauftrag der Bundesregierung an die Deutsche Bahn AG ist erteilt. Diese wird gemäß § 5 MgvG eine Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung durchführen.
Am 9. Oktober 2018 hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer den ersten Entwurf dieses Zielfahrplans 2030+ vorgestellt. Dieser Zielfahrplan 2030+ schlägt einige neue Schnellfahrstrecken und Neubaustrecken vor, die bisher im Bundesverkehrswegeplan nicht oder nicht genau so enthalten sind, darunter auch, dass von Hannover bis Bielefeld auf einer Neubaustrecke und von Bielefeld bis Hamm auf einer Schnellfahrstrecke mit 300 km/h gefahren werden soll. Der Auftrag an die DB Netz AG ist erteilt – siehe hier.
Dieses Projekt ist Teil eines Gesamtkonzepts aus vielen Einzelmaßnahmen zwischen Dortmund und Berlin und entscheidendes Kernstück für die Zukunft des Korridors zwischen Berlin und Rhein/Ruhr und Teil der europaweiter Magistralen des TEN-Netzes. Der zweite und dritte Entwurf des Zielfahrplans 2030+ bestätigt die Vorschläge des ersten Entwurfs. Aus weiteren Unterlagen geht hervor, dass diese Neubaustrecke eine zentrale Bedeutung im Rahmen der Entwicklung des Deutschlandtaktes hat, da eine als notwendig erkannte Beseitigung eines Engpasses mit einer erheblichen Fahrzeitverkürzung verbunden wird.

Die politische Entscheidung für eine Neubaustrecke

Mit der Mehrheit der Regierungsparteien CDU/CSU und SPD des Deutschen Bundestages für das Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz ist die politische Entscheidung für dieses Neubauprojekt im Deutschen Bundestag zum zweiten Mal gefallen. Es handelt sich um das einzige große Neubauprojekt des Deutschlandtakts, das
* bereits im Bundesverkehrswegeplan 2030 und
* im Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSchwAG)
namentlich genannt ist und in den Masterplan Deutschlandtakt  vom 30. Juni 2020 aufgenommen wurde.
Die amtierende Bundesregierung verfolgt das Ziel, mit einer drastischen Verkürzung der Fahrzeiten im Schienenfernverkehr den innerdeutschen Flugverkehr zu reduzieren mit dem Ziel, dass die bisherigen Nutzer des Flugverkehrs freiwillig auf die Schiene umsteigen. Die Effekte, die durch eine drastische Verkürzung der Fahrzeiten möglich sind, sind an der Verbindung Berlin – München sichtbar geworden, seitdem die Fahrzeit auf 4 Stunden abgesenkt wurde. Der zweite und dritte Entwurf des Zielfahrplans 2030+ trägt deutlich die Handschrift dieses Ziels. Solange dieses Ziel Teil der politischen Ziele der Bundesregierung sind, ist von der Weiterverfolgung des Projekts auszugehen.

Teil des europäischen Kernnetzes

Die Neubaustrecke ist nicht einfach ein nationales Projekt, dessen Bau die Bundesregierung nach eigenem Ermessen beliebig gestalten könnte. Vielmehr ist diese Strecke von der Europäischen Union in das Kernnetz des Schienenverkehrs (Personen- und Güterverkehr) aufgenommen worden (EU-Verordnung Nr. 1315/2013) und als „auszubauen“ gekennzeichnet (Karten 0.2 und 03 der Anlage).
Damit ist zwar hinsichtlich der Geschwindigkeit und damit für die Streckenführung kein bestimmter Standard für den Ausbau gesetzt. Hinter den sogenannten TEN-Netzen stehen aber auch Fördermittel, deren Verfügbarkeit von solchen Kriterien abhängt.
Der Abschnitt Bielefeld – Hannover liegt in einer Taille des Verkehrsnetzes Deutschlands und Europas, sodass die Fahrzeitverkürzung von 18 Minuten sich in Verbindungen von Emmerich und Trier auf der einen Seite bis Flensburg, Stralsund und Zittau auf der anderen Seite als Verkürzung der Fahrzeit  um eine halbe Stunde auswirkt. Die europäische Dimension:  Es geht um die Fahrzeit zwischen Nordfrankreich mit Paris, Belgien und dem Süden der Niederlande einerseits bis Dänemark, Schweden, Polen und Tschechien und dem Baltikum auf der anderen Seite.
Beachtlich ist aber, dass der derzeitige Planungsauftrag ausblendet, dass auch die Strecke Amsterdam – Berlin zu den TEN-Netzen gehört. Diese Verbindung könnte mit einer verkürzten Neubaustrecke zwischen Bad Oeynhausen und Seelze um eine Viertelstunde beschleunigt werden (siehe weiter unten).

Europäische DimensionDie europäische Dimension: Eine halbe Stunde schneller

Teil eines Gesamtkonzepts

Gesamtkonzept Fahrzeitvverkiürzung

Der gesellschaftliche Konflikt

Jede Neubaumaßnahme führt zu einem gesellschaftlichen Konflikt zwischen einerseits den Betroffenen und dem Umweltschutz vor Ort und andererseits den Interessen der künftigen Nutzer und dem generellen Interesse, Verkehr auf die Bahn zu verlagern. Der Konflikt muss bestmöglich gelöst werden. Markant ist, dass die lokalen Interessen der Gegner vor Ort laut artikuliert werden, während die Interesse der künftigen Nutzer von der Bundesregierung und der DB repräsentiert werden. Dies suggeriert, dass „Bürger“ gegen „den Staat“ antreten würden. Tatsächlich ist aber ein demokratisch verfasster Staat wie die Bundesrepublik Deutschland der Repräsentant der Mehrheit der Bürger, die ihre Abgeordneten gewählt haben. Es geht also um einen Interessenkonflikt zwischen Bürgern mit unterschiedlichen Interessen. Dies gilt umso mehr, als die Deutsche Bahn AG zu 100 % in Staatsbesitz ist und – anders als noch zur Zeit der Bahnreform von 1994 – heute politisch unstrittig ist, dass die Infrastruktur zu 100 % in Staatsbesitz bleiben soll.
Die Initiative Deutschlandtakt hat über zehn Jahre für das Gutachten über den Zielfahrplan politische Überzeugungsarbeit geleistet, um den Nutzen des Schienennetzes für alle Regionen zu erreichen.
Die anhaltenden Stellungnahmen der lokalen Gegner des Neubauprojekts sind dabei einerseits geprägt von Fragen, die die Bundesregierung bisher nicht beantwortet hat, andererseits aber auch vom Unverständnis gegenüber den spezifischen Bedingungen des integralen Taktfahrplans und einem eingeschränkten Blick auf die Fahrzeitverkürzung zwischen Rhein/Ruhr und Berlin. Aufgrund der gesamtdeutschen und europäischen Dimension ist nicht damit zu rechnen, dass die lokalen Bürger- und Umweltinteressen der einzige Maßstab ist, der für diese Lösung in Betracht kommt.

Neubaustrecke Bielefeld – Hannover und Schnellfahrstrecke Bielefeld – Hamm im Deutschlandtakt

Der gesamte Fahrplan für Deutschland soll nach den Bedingungen eines Deutschlandtaktes geordnet werden. Im Unterschied zu früheren Planungsvorgaben soll der Deutschlandtakt dafür sorgen, dass alle Regionen und auch der Güterverkehr von den Vorteilen von Neubauprojekten profitieren.  Wesentliches Element ist der integrale Taktfahrplan, der die Voraussetzung für koordinierte Anschlüsse und große Reisezeiten auch in Umsteigeverbindungen sorgt. Fahrzeiten von Knoten zu Knoten von 30 und 60 Minuten sind ein wesentliches Element, aber kein Selbstzweck.  Ein solches Taktsystem besteht seit Jahren schon in der Schweiz. Dort heißt das Projekt „Bahn2000“.
Der Fahrplan soll vorgeben, wo in welcher Qualität gebaut werden muss, damit ein optimales Ergebnis auch für die Region erzielt wird. Diesen Anspruch erfüllt der Vorschlag einer Neubaustrecke Bielefeld – Hannover erst zusammen mit den Ausbauten zwischen Hamm und Berlin, wie er im Zielfahrplan 2030+ enthalten ist. Der Ausbau der historisch gewachsenen Bestandsstrecke kann diese Ansprüche hingegen nicht erfüllen. Hier lesen Sie dazu mehr:
Welche Anforderungen stellt der Deutschlandtakt an eine Neubaustrecke Bielefeld – Hannover?
Welche politische Bedeutung hat der Deutschlandtakt für die Verbindung Rhein/Ruhr – Berlin?
Sehen Sie sich die Video-Vorträge an:
Neubaustrecke in 7 Minuten erklärt
Verkürzte Neubaustrecke Bad Oeynhausen – Hannover (30 Minuten)
Bestandsstrecke im Deutschlandtakt? Eine vertiefte Analyse (25 Minuten)

Wo soll die Neubaustrecke Bielefeld – Hannover verlaufen?

Diese Frage ist völlig offen. Lesen Sie dazu mehr auf dieser Seite.

Ist diese Neubaustrecke alternativlos? Nicht auf ganzer Länge!

Die Bundesregierung hat die Deutsche Bahn AG als Netzbetreiber beauftragt, den Zielfahrplan umzusetzen. Die Deutsche Bahn AG hat als Vorhabenträger entschieden, diese Prüfung umfassend vorzunehmen, also auch für Trassen, die die vorgesehene Fahrzeit von 31 Minuten zwischen Bielefeld und Hannover überschreiten. Mit einer etwas längeren Fahrzeit zwischen Bielefeld und Hannover kann eine drastische Verkürzung der Fahrzeit zwischen Osnabrück und Hannover von bis zu 20 Minuten möglich gemacht werden. 1,2 Millionen Fahrgäste jährlich würden davon profitieren.

Die Vereinbarkeit von Fahrzeiten, die vom Zielfahrplan 2030+ abweichen, mit dem Deutschlandtakt ist dabei sicher zu stellen. Dies ist möglich, wenn die Fahrzeitvberlängerung etwa 5 Minuten nicht überschreitet. Details werden zu gegebener Zeit auf dieser Website zur Verfugung gestellt.

Ein Ausbau der Bestandstrasse über Minden auf ganzer Länge kann aber die Ansprüche des Deutschlandtakts nicht erfüllen.
Warum der Ausbau der Bestandsstrecke über Minden nicht in den Deutschlandtakt eingepasst werden kann, erklärt ein weiteres Video.

 

Milliardengrab oder sinnvolle Investition?

Nicht nur die schnellste Verbindung von Rhein und Ruhr nach Berlin, sondern auch nach Hamburg soll über diese Neubaustrecke führen. Mehr erfahren Sie hier.
Wie viel eine Neubaustrecke kosten wird, hängt von der Linienführung ab und steht daher nicht fest. Aber selbst grob geschätzte Kosten einer etwa 90 Kilometer langen Neubaustrecke halten aufgrund des hohen Nutzungsgrads einer Nutzen-Kosten-Berechnung stand. Wesentliche Faktoren für die definitiven Kosten sind noch nicht bekannt. Diese werden erst bekannt sein, wenn der im Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetz vorgeschriebene Bürgerdialog beendet ist.

Suchraum und Planungsdialog

Das Gesetz, das den Planungsdialog – gesetzliche Bezeichnung >Frühe Öffentlichkeitsbeteiligung< vorschreibt, ist am 1. April 2020 in Kraft getreten. Näheres finden Sie hier.
Der Planungsdialog wird sich auf alle Trassenvarianten beziehen, die in einem ersten Schritt als möglich und für eine vertiefte Untersuchung als interessant erweisen. Ein von dem Planungsbüro Schüßler Plan erstellte Darstellung von fünf Varianten ist dabei nur ein grober Anhaltspunkt. Sie finden diese Varianten und eine Karte des Suchraums auf der Website der Deutschen Bahn AG.

Neubaustrecke Bielefeld - Hannover Karte Bürgerdialog

Diese Skizze gibt einen groben Überblick über den Suchraum.

Was leistet diese Website zur Neubaustrecke Bielefeld – Hannover?

Der Zielfahrplan 2030+ enthält nur Daten über Fahrzeiten. Einige erläuternde Hinweise gibt es in Präsentationen und unveröffentlichten Unterlagen. Diese Informationen genügen nicht, um die vielen Fragen zur Neubau- und Schnellfahrstrecke Hannover – Bielefeld – Hamm zu beantworten. Auch die Informationen der Deutschen Bahn AG zum Projekt und den Details der Planung werden nicht den gesamten Kontext der Planung erschließen, weil die DB nur den Auftrag hat, das Neubauprojekt zwischen Hannover und Bielefeld zu planen. Die Bundesregierung ist viele Antworten auf Fragen der Bürger schuldig geblieben.
Diese Website möchte Sie daher umfassend informieren, damit Sie das Projekt verstehen und bewerten können.  Autor und Informanten legen Wert auf fachliche Qualität der Darstellung und stehen Details der bisherigen Veröffentlichungen durchaus kritisch gegenüber und sind unabhängig von Einflüssen politischer und wirtschaftlicher Interessen.

Es ist nicht Aufgabe der Initiative Deutschlandtakt, politisch zu der jeweiligen Strategie der Bundespolitik Stellung zu nehmen. Ziel der Initiative Deutschlandtakt ist es, den Deutschlandtakt und seine Ziele als technisch-logisches und gesellschaftliches Projekt zu fördern und zu fordern. Auf dieser Grundlage ist das Projekt einer Neubaustrecke von Bielefeld nach Hannover zu überprüfen und entsprechend dem Prüfergebnis zu unterstützen oder zu kritisieren. Nur diesem Ziel dient diese Website.

Der Anlass für die Ablehnung einer Neubaustrecke im Bild

Neubaustrecke Porta-Tunnel ja oder nein

Der Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030, veröffentlicht 2016, sah eine sehr genaue Streckenführung eines Neubaues vor, die etwa rechts neben dem Bahnhof Porta in den Jakobsberg führen sollte. Dies erzeugte so große Widerstände, dass der Entwurf geändert wurde. Im Bundessschienenwegeausbaugesetz wurde deswegen eine Fußnote eingebracht. Tatsächlich war dieser Plan schon zwei Jahrzehnte älter, war aber schon damals auf erbitterten Widerstand in der Region gestoßen. Formal steht diese Planung nach wie vor zur Debatte, wird aber keine Chance haben.

 

Diese Website wurde zuletzt am 23. März 2021 aktualisiert.