Antworten zum Regional- und Nahverkehr

Was bedeutet eine Neubaustrecke Bielefeld – Hannover für den Regional- und Nahverkehr?

Der dritte Entwurf des Zielfahrplan 2030+ beruht auf einer intensiven Zusammenarbeit der Gutachter mit den Bestellern des Nahverkehrs. Dies sind in NRW die Aufgabenträger VRR und NWL, in Niedersachsen die LNVG. Die Zielvorstellungen der Aufgabenträger wurden in den Fahrplan eingearbeitet und mit den Vorgaben des Fernverkehrs konfliktfrei gestaltet.

Unterschiedliche Strategien in Niedersachsen und NRW

Für den informierten Betrachter wird eine sehr unterschiedliche Strategie der Aufgabenträger in NRW und in Niedersachsen ersichtlich.
In NRW wird eine Vorwärtsstrategie für den Nah- und Regionalverkehr verfolgt, was in Projekten wie „Rhein-Ruhr-Express“, „S-Bahn Münsterland“ und „S-Bahn Ostwestfalen-Lippe“ zum Ausdruck bringt. Landesweit gelten seit zwei Jahrzehnten Verbundtarife und ein Landestarif, die an Start und Ziel die Weiterfahrt mit Bahnen und Bussen einschließt. Ein Kompetenzcenter Integraler Takt arbeitet ständig an der Verbesserung der Infrastruktur für den integralen Taktfahrplan. Reaktivierungen werden aktiv vorangetrieben, so wird zurzeit eine Machbarkeit der Reaktivierung der Mindener Kreisbahn im Abschnitt Minden – Hille untersucht. Hintergrund ist der Umstand, dass die Besteller des Nahverkehrs kommunale Zweckverbände sind, so dass die Zusammenarbeit zwischen. Städten und Landkreisen für den öffentlichen Verkehr auf einem hohen Stand ist.
In Niedersachsen ist  die Entwicklung viel zurückhaltender. Landesweite Verbundtarife sind unbekannt, ein Landestarif wurde erst kürzlich eingeführt. Den Schienen-Nahverkehr um größte Teil des Landes wird von der LNVG verantwortet, einer Gesellschaft des Landes, an der Landkreise und Städte nicht beteiligt sind. Dennoch ist die Zuständigkeit zersplittert, denn für die Großräume Hannover und Braunschweig bestehen eigene Aufgabenträger.
Dies schlägt sich auch im Zielfahrplan 2030+ nieder. Die Aufgabenträger in NRW haben ihre offensiven Vorstellungen weitgehend in den Zielfahrplan eingebracht und Freiräume für Verbesserungen genutzt. Viele Verbesserungen, die im Zielfahrplan für die Zeit nach 2030 stehen, werden schon in den nächsten Jahren umgesetzt, sobald die Infrastruktur das möglich macht.
In Niedersachsen herrscht hingegen vor allem in dem betroffenen Abschnitt Minden – Hannover Stillstand, hier wird der seit der EXPO 2000 unveränderte Fahrplan nur fortgeschrieben. Für die Nutzung der Kapazitäten für den Nahverkehr wurden keine Perspektiven entwickelt. Eine Reaktivierung der Bahnlinie Rinteln – Stadthagen wird derzeit von keiner staatlichen Stelle vorangetrieben.

Welche Perspektiven bietet eine Neubaustrecke für die Verbesserung des Nahverkehrs in Niedersachsen?

Da es in Niedersachsen derzeit keinerlei politisches Interesse an Verbesserungen gibt, haben die Fahrgastverbände PRO BAHN und VCD auch noch keine Vorstellungen dazu entwickelt. Dabei wäre viel möglich, so die Verlängerung des Rhein-Ruhr-Express RE 6 von Minden nach Hannover und die Verlängerung der S-Bahn Hannover auf eine reaktivierte Bahnlinie von Stadthagen bis Obernkirchen oder Rinteln. Es ist aber nicht Sache der Initiative Deutschlandtakt, die niedersächsische Politik „zum Jagen zu tragen“.

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