Suchraum und Schüßler-Varianten

Was bedeutet der Suchraum und die Schüßler-Varianten zur Neubaustrecke Bielefeld – Hannover?

Um eine geeignete Trasse für eine Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover zu finden, hat die Deutsche Bahn AG einen Suchraum definiert. Der Suchraum ist viel größer als die Fläche, in der sich die vom Büro Schüßler Plan erarbeiteten Varianten einer Trasse befinden. Daher sind weitere, bisher nicht erörterte Trassen möglich. Die Details der Trassenvorschläge von Schüßler Plan sind politisch wie fachlich fragwürdig und daher nur als sehr grobe politische Richtschnur des Bundesverkehrsministeriums ohne Verbindlichkeit für die Deutsche Bahn AG zu betrachten.

Die genannten Unterlagen finden Sie auf der Website der Deutschen Bahn AG.

Der Suchraum

Der Suchraum ist durch die Eckpunkte der bestehenden Bahnstrecke Hannover – Bielefeld, mithin durch die Hauptbahnhöfe, definiert. Die Ausdehnung des Suchraums lässt auch Trassenvarianten zu, die bisher nicht in der öffentlichen Diskussion sind. Überraschungen sind daher nicht ausgeschlossen.
Die Einbeziehung des Hauptbahnhofs Bielefeld lässt eine Vorprüfung auch für die Nutzung der Einfahrt der von Lage (Lippe) kommenden eingleisigen Bahnstrecke zu.
Vom Eckpunkt Hannover aus ist etwa bis Letter nur der Bereich der Bestandsstrecke einbezogen. Anders als für einige Projekte des Deutschlandtakts im Raum Nürnberg ist offenbar nicht vorgesehen, die kürzeste Linienführung durch die Stadt im Tunnel zu suchen.
Dazwischen wird der gesamte Raum betrachtet, der südlich mit einer Linie Springe – Hameln – Dörentrup – Lage (Lippe) und nördlich mit der Linie Wunstorf – Steinhuder Meer – Petershagen – Hüllhorst – Bünde beschrieben werden kann.
Die Größe dieses Suchraums ist verständlich: Gegenüber der kürzesten Luftlinie könnte eine Trasse um bis zu 20 Kilometer länger sein, würde aber bei der Zielgeschwindigkeit von 300 km/h nur eine Abweichung in der Fahrzeit von 4 Minuten ausmachen.
Der gesamte Suchraum ist darauf zu überprüfen, ob sich Freiräume mit geringem Konfliktpotenzial ergeben.
Neubaustrecke Bielefeld - Hannover Karte Bürgerdialog

Diese Skizze gibt einen groben Überblick über den Suchraum.

 

Die Varianten nach Schüßler Plan

Das Planungsbüro Schüßler Plan hat ein Papier mit 5 Trassenvarianten für eine Neubaustrecke Bielefeld – Hannover nebst Erläuterungen erstellt, die auf der Seite der DB heruntergeladen werden können. Ein Auftraggeber ist aus den Papieren nicht ersichtlich. In Umlauf gebracht wurde das Papier vom Bundesverkehrsministerium. Ob eine Mitwirkung der Deutschen Bahn stattgefunden hat, ist nicht bekannt, sie ist aber unwahrscheinlich.

Inhalt des Papiers von Schüßler Plan

Schüßler Plan zeigt 5 Varianten auf, die aus dieser Grafik grob ersichtlich sind. Dazu werden Kosten und Fahrzeiten genannt.

Varianten Schüßler Plan

 

Politische Qualität: Wegweisend und fragwürdig gleichzeitig

Zum einen lässt das Papier von Schüßler Plan erstmals erkennen, dass eine Abweichung von der im Zielfahrplan 2030+ vorgesehenen Fahrzeit in Betracht zu ziehen ist. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Anforderungen des Deutschlandtakts findet aber nicht statt, sie dürfte politisch für nicht opportun erachtet worden sein. Sie finden die Details hierzu hier auf dieser Website.
Darüber hinaus dürfte bei der Kostenschätzung der Variante 5 der politische Auftrag eine Rolle gespielt haben, denn diese Variante wirkt schöngerechnet. Bezeichnend ist, dass eine Variante 6 mit einer Führung von Stadthagen nach Bad Oeynhausen nicht gerechnet worden ist, obwohl die Variante 5 nach Schüßler Plan in Bad Oeynhausen in Steinwurfweite an der Bestandsstrecke vorbeiführen würde. Der Vergleich der Varianten 2, 3 und 5 zeigt, dass eine Variante 6 mit absoluten Kosten von 3,8 Mrd. Euro die absolut günstigste Variante wäre. Weiter wird nicht erwähnt, das diese Varianten 3 und 4 den höchsten verkehrlichen Nutzen hätten, da sich die Fahrzeit von Hannover nach Osnabrück um 15 Minuten verkürzen würde.
Diese Details legen nahe, dass schon seit langer Zeit im Bundesverkehrsministerium die Absicht besteht, genau die Variante 5 durchzusetzen. Die Spekulationen aus den Zeichnungen der Entwürfe des Zielfahrplans (siehe hier) erhalten damit erneut Nahrung.

Fachliche Qualität: Mangelhaft

Während die politischen und geografischen Grundaussagen zu den Trassenvarianten zutreffend sind, ist die fachliche Qualität als mangelhaft zu bezeichnen. Die errechneten Fahrzeiten sind zutreffend, alle anderen Daten angreifbar oder nicht nachvollziehbar. Bei Variante 1 fehlt eine vertiefte Auseinandersetzung mit den im Bundesverkehrswegeplan enthaltenen recht detaillierten Planungen, die nur auf eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h ausgelegt waren und eine Nutzung für den Güterverkehr nicht vorsahen. Bei Variante 2 und 5 fällt auf, dass die skizzierte Linienführung entlang der Autobahn südlich von Bad Oeynhausen eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h nicht zulässt. Dafür müsste die Trasse die Weser östlich von Vlotho überqueren. Bei der Variante 3 und 4 ist bemerkenswert, dass der Unterschied nur im Abschnitt der Bestandsstrecke Bad Oeynhausen – Bielefeld besteht. Hier wird in Variante 4 ein Nicht-Ausbau (Höchstgeschwindigkeit 160 km/h) einem sehr teurem Ausbau für 230 km/h in Variante 3 gegenübergestellt. Die im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthaltene Variante mit einem Ausbau für 180 km/h wird nicht untersucht.
Die Kostenschätzungen sind nicht nachvollziehbar, da Basisdaten nicht mitgeteilt wurden. Besonders pikant ist, dass die Variante 4 nur mit einem Nicht-Ausbau zwischen Bad Oeynhausen und Bielefeld gerechnet wurde. Geht man davon aus, dass dieser Streckenabschnitt für 300 Mio. Euro auf 300 km/h ausgebaut werden und 2 Minuten Fahrzeit herausgeholt werden können, so stellt sich diese Variante mit deutlich unter 400 Euro je Minute als durchaus kostengünstig dar. Für 200 km/h sind Kurvenradien von 1700 Meter zulässig, diese sind mit geringen Ausbauten realisierbar.
Die Kosten der Variante 5, die als kostengünstigste dargestellt wird, dürften hingegen unterschätzt sein. Erkennbar ist aus den Erläuterungen, dass die Trasse mit Ausnahme der Querung des Wesergebirges oberirdisch geführt werden kann. Die ausdrücklich genannte Führung entlang der Autobahn A 2 zwischen Bad Oeynhausen und Bielefeld lässt aber weder eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h noch – bei Tauglichkeit für den Güterverkehr – eine oberirdische Führung zu. Die Fahrzeit von 31 Minuten kann so nicht erreicht werden, sie würde 33 Minuten betragen. Damit steigen die Kosten pro Minute schon rechnerisch auf 325 Euro/km und unter Berücksichtigung weiterer Tunnelbauten auf den gleichen Wert, der für eine optimierte Variante 4 anzusetzen ist.

Fazit zur Beurteilung der Varianten von Schüßler Plan

Insgesamt rechtfertigt die mangelhafte Qualität und die politische Einflussnahme keine weitergehende Auseinandersetzung mit dem Papier.
Die Deutsche Bahn tut gut daran, ihre Planungen davon unabhängig durchzuführen, was sie bereits in der Presse deutlich gemacht hat. Politisch zu beachten ist dabei auch: Das Baurecht soll durch den Bundestag erteilt werden. Fragwürdige Einschätzungen aus politischen Vorgaben sind kein guter Ratgeber für eine breite Akzeptanz des Vorhanens.,