Welche technischen Anforderungen gelten für eine Neubaustrecke?

Hier erklären wir die Grundlagen, mit denen die Trassierung einer Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover vorgenommen werden muss.

Die Anforderungen ergeben sich zum einen aus den Bedingungen, die der Deutschlandtakt in der Fassung des dritten Entwurfs des Zielfahrplans 2030+ stellt, und zum anderen aus den geltenden technischen Spezifikationen für das Eisenbahnwesen.

Fahrzeit

Als Zielfahrzeit ist im Zielfahrplan 2030+ zwischen Hannover und Bielefeld eine Fahrzeit von 31 Minuten für Hochgeschwindigkeitszüge angegeben. Für langsamere Züge (200 km/h) ist eine Fahrzeit von 36 Minuten zwischen Hannover und Bielefeld angegeben (Linie Fv 92). Das System des Deutschland-Takts lässt allerdings eine längere Fahrzeit von bis zu 5 Minuten zu, wie hier nachzulesen ist.

Höchstgeschwindigkeit

Als Höchstgeschwindigkeit sind 300 km/h angegeben. Diese Höchstgeschwindigkeit ist als feste Vorgabe anzusehen, da diese Auslegung der Züge auf dem gesamten Laufweg benötigt wird, um die Bedingungen des Deutschlandtakts einzuhalten.

Kurvenradien

Die Kurvenradien leiten sich von der Höchstgeschwindigkeit ab. Dafür gilt keine unmittelbare technische Spezifikation. Vielmehr ist der Zusammenhang umgekehrt: Die Radien bestimmen die Höchstgeschwindigkeit. Für die Planung neuer Strecken ist aber vorzugeben, dass die Höchstgeschwindigkeit ausgefahren werden soll. Für eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h sind als Entwurfsrichtlinien Radien von 6.000 Metern zugrunde zu legen (Quelle DB Systemtechnik in Übereinstimmung mit älteren Quellen). Bei diesem Wert handelt es sich um einen Idealwert, der dem Komfortbedürfnis der Reisenden Rechnung trägt, aber auch den Schienenverschleiß mindert. Maßgeblich sind für beide Effekte die Begrenzung der Querbeschleunigung. Im Einzelfall können die Kurvenradien auf 4.000 Meter abgesenkt werden, was aber nach Möglichkeit vermieden wird.

Steigungen

Diese sind in der Verordnung (EU) Nr. 1299/2014 der Kommission vom 18. November 2014 über die technische Spezifikation für die Interoperabilität des Teilsystems „Infrastruktur“ des Eisenbahnsystems in der Europäischen Union” festgelegt (Quelle):
Nach Ziffer darf die Steigung bezogen auf 10 km Streckenlänge nicht mehr als 25 Promille betragen, für kürzere bis zu 6 Kilometer Länge darf die maximale Steigung 35 Promille nicht übersteigen. Diese Steigung gilt für Strecken, die ausschließlich im Personenverkehr befahren sind. Für Güterzugstrecken, die eine volle Leistungsfähigkeit erhalten sollen, sind nur 12,5 Promille Steigung anzusetzen.

Breite des Planums

Das Planum ist die eisenbahntechnisch notwendigen Strecke. Die Breite hängt vom Gleismittenabstand und der Geschwindigkeit ab. Für Hochgeschwindigkeitsstrecken gilt ein Gleismittenabstand von 4,50 Meter. Zusammen mit der Breite von zwei Zügen und dem notwendigen Seitenabstand beträgt die Breite des Planums weniger als 20 Meter.
Andere Aussagen sind polemisch überzogen. Die Trasse muss breiter sein, wo die Strecke auf Dämmen und in Einschnitten verläuft oder wo sie sich in zwei getrennte Tunnelröhren verteilt. Böschungen und ähnliche Flächen sind weder versiegelt noch tot, sondern in aller Regel Schutzräume für seltene Tier- und Pflanzenarten. Zwar werden Böschungen von Baumwuchs freigehalten, sind aber – wie Lichtungen und Raine Lebensräume, die anders als der heutige Wald und erst recht anders als die heutigen Ackerflächen eine sehr hohe Vielfalt an Pflanzen und Tieren beherbergen. Anders als an Autobahnen fällt an Eisenbahnlinien kein Abgas und kein Gummiabrieb an, sondern lediglich Metallabrieb, der auch natürlich gegenwärtig ist.

Komplexe Berechnungen von Fahrzeiten

Auf dieser Grundlage ergeben erst komplexe Berechnungen die erreichbare Fahrzeit. Dabei sind der Ausbauzustand der Einfädelungen in die Bahnhöfe und der Bestandsstrecke von Seelze bis Hannover, die Anfahr- und Bremsbeschleunigung und weitere technische Details zu berücksichtigen. Solche Details sind in den Berechnungsprogrammen hinterlegt, die für die Erstellung des Zielfahrplans 2030+ angewendet werden.