Was bedeutet das Gifhorner Kreuz für die Fahrzeit Bielefeld – Hannover?

Die zwischen Hamm, Bielefeld und Hannover für den Deutschlandtakt vorgesehene Fahrzeit ist mit einem viergleisigen Abschnitt zwischen Dollbergen und Gifhorn abgestimmt, damit auf dieser bisher nur zweigleisigen Strecke Hochgeschwindigkeitsverkehr und Regionalverkehr verdichtet und optimal verknüpft werden können. Jede Veränderung der Fahrzeit Hannover – Bielefeld gegenüber dem Wert von 31Minuten hat gravierende Auswirkungen auf di Strecke Wolfsburg – Hannover und erhöht den Investitionsbedarf in diesem Abschnitt erheblich.

Der gegenwärtige Zustand

Gifhorner Kreuz
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Das Gifhorner Kreuz besteht aus den Bahnstrecken Hannover – Wolfsburg und Braunschweig – Uelzen. Sie treffen sich im Bahnhof Gifhorn (früher Isen Büttel-Gifhorn
Die Strecke Braunschweig – Uelzen ist eingleisig. Derzeit wird sie so ausgebaut, dass optimale Fahrzeiten auf der Grundlage des Taktknotens Gifhorn möglich sind. In Gifhorn sollen optimale Anschlüsse beider Linien untereinander hergestellt werden. Dabei soll die Linie Hannover – Wolfsburg ohne Fahrzeitverluste verkehren. Dies wird derzeit gewährleistet, indem ein Hochgeschwindigkeitszug Hannover <> Berlin in Gifhorn überholt, während der Regionalzug am Bahnsteig steht. Dies legt die Fahrzeit des Hochgeschwindigkeitszuges exakt fest.
Weitere Hochgeschwindigkeitszüge können nur verkehren, während keine weiteren Regionalzüge unterwegs sind. Daher kann das Angebot Hannover – Wolfsburg nicht auf Halbstundentakt verdichtet werden. Möglich sind nur einige zusätzliche Züge während der Verkehrsspitze.

Welches Ziel hat der Zielfahrplan 2030+?

• Die Regionalzüge Hannover – Wolfsburg sollen halbstündlich verkehren.
• Der Anschluss der Regionalzüge im Taktknoten Gifhorn soll erhalten werden.
• ICE-Züge sollen halbstündlich verkehren.
• Es sollen je Stunde und Richtung vier ICE möglich sein.

Was sieht der Zielfahrplan 2030+ dafür als Baumaßnahme vor?

Gifhorner Kreuz
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Der Abschnitt Dollbergen – Gifhorn (ca. 27 km) soll viergleisig ausgebaut werden.
Dann können ZWEI ICE den Regionalzug überholen UND diese Regionalzüge können halbstündlich verkehren.
Der ICE braucht für die Überholstrecke 6 bis 8 Minuten, der Regionalzug 15 Minuten. Aus dem Umstand, dass die Fahrzeit der Hochgeschwindigkeitszüge zwischen Hannover und Wolfsburg um 3 Minuten gegenüber heute gekürzt werden soll, ist zu schließen, dass der Abschnitt Dollbergen – Gifhorn mit 300 km/h befahren werden soll.
Damit können die ICE nicht zu beliebiger Zeit verkehren können, sondern nur in einem kleinen Zeitfenster. Dieses Zeitfenster wird von den Regionalzügen determiniert, die zur Minute 0 und 30 in Gifhorn am Bahnsteig stehen sollen, um den Rundum-Anschluss herzustellen. Die Hochgeschwindigkeitszüge müssen daher Gifhorn in Richtung Berlin kurz vor der Minute 0 und 30 passieren, in Richtung Hannover kurz nach der Minute 0 und 30.

 

Was geschieht, wenn die Fahrzeit Hannover – Bielefeld länger als 31 Minuten ist?

Dann muss der zweigleisige Abschnitt nach Osten verschoben werden, für jede Minute um 3,3 Kilometer.

Warum ist das ein Problem?

Es ist in erster Linie ein finanzielles Problem. Östlich von Gifhorn unterquert die Strecke den Elbeseitenkanal in einem Tunnel. Dieser müsste auf vier Gleise erweitert werden. Dabei müsste auch die heutige zweigleisige Durchfahrt durch eine neue, breitere Durchfahrt mit getrennten Röhren ersetzt werden, in denen jeweils nur ein Gleis liegt, Das ist sehr teuer.
Weiter nach Osten sind Erweiterungen des Gleisfeldes notwendig, die im Stadtgebiet von Wolfsburg vergleichsweise schwieriger und teurer sind als der jetzt vorgesehene Ausbau.

Könnte diese Wirkung dadurch gemindert werden, dass die Strecke Lehrte – Wolfsburg für 300 km/h ertüchtigt wird?

Noch liegt die Vorhabenliste nicht vor, die dem Zielfahrplan 2030+ zugrunde liegt. Aber es dürfte nur noch der Abschnitt Lehrte – Dollbergen nicht für 300 km/h vorgesehen sein. Wenn das zutrifft, wäre der Ausbau mit einer Länge von 15 Kilometer zusätzlich möglich. Damit wären rechnerisch 1,5 Minuten zu gewinnen. Alles, was darüber hinausgeht, verschiebt die Strecke unweigerlich nach Osten unter den Elbeseitenkanal.

Gibt es weitere Folgewirkungen, wenn die Fahrzeit Bielefeld – Hannover länger ist als 31 Minuten?

Ja. Der Abschnitt Hannover – Lehrte wird von einer Vielzahl von Zügen genutzt, deren Fahrpläne ebenfalls optimiert sind und nur unter Fahrzeitverlust angepasst werden können.
Das gravierendste Problem ist der Fahrplan des Intercity Hannover – Magdeburg – Leipzig – Dresden. Hier sind entsprechende Maßnahmen zur Kompensation zu ergreifen oder in Kauf zu nehmen, dass der integrale Taktknoten Magdeburg aufgelöst wird. Mehr dazu erfahren Sie hier. Für die Auflösung des Knotens Magdeburg wird es aber keine politischen Mehrheiten geben.

Kartengrundlage OpenStreetMap