Antworten zum Vorschlag: Mehr als eine halbe Stunde schneller von Rhein und Ruhr nach Berlin

Was schlägt der „Zielfahrplan 2030+“ für die Verbindung Berlin – Rhein/Ruhr vor?

Vorgeschlagen als Teil des Ausbaues der Verbindung Berlin – Rhein/Ruhr ist,

  • die Fahrzeit durch eine Neubaustrecke zwischen Bielefeld und Hannover von heute 49 Minuten auf 31 Minuten zu verkürzen,
  • die Fahrzeit von Bielefeld nach Berlin von zweieinhalb auf 2 Stunden zu verkürzen,
  • die Fahrzeit von Köln und Düsseldorf nach Berlin auf ca. 3 Std. 30 Min. zu verkürzen,
  • 300 km/h schnelle Fahrzeuge einzusetzen,

Dafür wird eine Neubaustrecke vorgeschlagen, die

  • bereits zwischen Bielefeld und Herford die heutige Bahnlinie verlässt und direkt nach Norden führt
  • und im Bereich Seelze / Letter in die Bestandsstrecke einmündet.

Eine Verknüpfung mit der Altstrecke im Bereich Stadthagen ist nach Aussagen von Enak Ferlemann nicht mehr zwingender Bestandteil der derzeit geprüften Trassen. In Betracht gezogen werden auch Trassen am Mittellandkanal und entlang der Autobahn A 2.Der Fahrplanentwurf geht hingegen von einer Verknüpfung in Stadthagen aus. Weitere Information und Bewertung hier.

Erste Berechnungen der Initiative Deutschland-Takt haben aber ergeben, dass keine Variante, die Teile der Altstrecke zwischen Minden, Porta und Bielefeld einbezieht, den Ansprüchen genügen wird, weil eine Fahrzeit von weniger als 60 Minuten zwischen Hannover und Hamm nicht möglich ist.

Wer würde von der schnelleren Verbindung zwischen Berlin und Rhein / Ruhr profitieren?

22 Millionen Einwohner Deutschlands wohnen im unmittelbaren Einzugsbereich: 16 Millionen westlich und 6 Millionen östlich der Neubaustrecke Bielefeld – Hannover:

Nutzen der Neubaustrecke Bielefeld - Hannover für 22 Mio. Einwohner

Nicht eingerechnet sind die Einwohner von Sachsen-Anhalt und Sachsen, die über den Anschlusskonten Hannover ebenfalls von der Neubaustrecke profitieren würden.

Welche Fahrzeiten sollen erreicht werden?

 Fahrplan 2018BVWP 2030 (Projekt Hannover - Minden)Zielfahrplan 2030+ (Projekt Bielefeld - Hannover)Fahrzeitverkürzung
2018 > 2030+
Quelle1)2)3)
h:minh:minh:min
Spandau - Wolfsburg0:520:520:457 Minuten
Wolfsburg - Hannover0:340:320:322 Minuten
Hannover - Bielefeld0:490:400:3118 Minuten
Bielefeld - Hamm0:260:250:215 Minuten
Hann - Dortmund0:170:160:161 Minute
Dortmund ¨C D¨¹sseldorf0:5500:4700:486
Hamm - Hagen0:270:280:27--
Hagen - K?ln Hbf0:460:440:451 Minute
Berlin Hbf ¨C D¨¹sseldorf Hbf4:303:553:3654 Minuten
Berlin Hbf - K?ln Hbf4:334:063:3855 Minuten

1) Fahrplan 2018
2) Bundesverkehrswegeplan Zielfahrplan 2030 (Projekt Neubau Hannover – Minden)
3) Zielfahrplan 2030+ (Gutachten, Projekt Bielefeld – Hannover)

Was ist der Unterschied zur bisherigen Planung gemäß Bundesverkehrswegeplan?

Die bisherige Planung ist bereits im Bundesverkehrswegeplan 2030 als Projekt 2-016-v01 ABS/NBS Hannover – Bielefeld” enthalten und hat damit eine gesetzliche Grundlage. Die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan bedeutet aber nur, dass das Projekt finanziert und gebaut werden darf, nicht aber, dass gebaut werden muss.
Diese Planung sieht nur eine Neubaustrecke von Hannover über Stadthagen bis Minden oder bis zur Porta Westfalica vor. Der Fahrzeitgewinn würde bei 10 Minuten liegen. Weitere Fahrzeitgewinne sind nicht vorgesehen, da die Neubaustrecke nur für 230 km/h ausgelegt werden soll, es werden daher keine Züge benötigt, die schneller als 250 km/h fahren. Die Deutsche Bahn versucht aber, weitere Fahrzeitgewinne durch die Streichung von Halten herauszuholen. Das geht vor allem zu Lasten von Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe.

Sieht der Deutschland-Takt vor, dass ICE in Ostwestfalen-Lippe ohne Halt durchfahren?

Grundsätzlich nicht. Der halbstündliche Grundtakt der Hochgeschwindigkeitszüge sieht den Halt in Bielefeld weiterhin vor. Erst jenseits dieses Grundangebots soll ein weiteres zweistündliches Angebot in Bielefeld durchfahren, im zweiten Entwurf des Zielfahrplans als FV 92 enthalten.

Wird Minden abgehängt?

Nein. Der Intercity aus Osnabrück kann nicht an Minden vorbeifahren, der Intercity aus Köln würde nicht vorbeifahren, weil die drei Bahnhöfe in Ostwestfalen-Lippe genügend Nachfrage garantieren. Nur der ICE, der ohnehin nicht hält, fährt vorbei.

Die Perspektive für Minden ist sehr viel günstiger als bei Bau des Tunnels durch den Jakobsberg. Nach der Planung des Bundesverkehrswegeplans 2030 besteht für Minden in der Tat die große Gefahr, dass in Minden keine Fernverkehrszüge mehr halten.

Bringt der Vorschlag der Neubaustrecke weitere Vorteile?

Ja, sehr viele.
Ein besseres Angebot im Regionalverkehr kann ohne zusätzliche Gleise nicht verwirklicht werden. Zusätzliche Gleise entlang der Bestandsstrecke haben aber keine Aussicht auf Realisierung, da der Nutzen zu gering ist. Eine Neubaustrecke wird hingegen eine Ausweitung möglich machen.

Wird die Planung auch tatsächlich in einen entsprechenden Fahrplan münden?

Oder wird die DB, wie noch Anfang 2018 geplant, Zwischenhalte vom ICE-Verkehr abhängen?

Ob, wann und wie ICE fahren, entscheiden die Eisenbahnverkehrsunternehmen, zu denen auch DB-Fernverkehr gehört. Ob und wie der Nahverkehr gestaltet wird, entscheiden die Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs, für die Verbindung zwischen Hamm und Hannover der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen.
Der „gebaute“ Fahrplan nach dem Deutschland-Takt schränkt aber die Möglichkeiten ein, genauso wie der heutige Zustand des Schienennetzes. Der Unterschied zu heute: Der Deutschland-Takt optimiert die Möglichkeiten,. Wer schneller oder langsamer fahren will, als es der Deutschland-Takt geplant hat und gebaut worden ist, wird keine optimalen Fahrpläne erhalten. Es ist daher sehr wahrscheinlich, wenn nicht zwingend, dass genau nach dem Fahrplan gefahren wird, wie er im Deutschland-Takt geplant ist: Der Deutschland-Takt schafft Fakten nicht nach historischen Zufälligkeiten, sondern nach heutigen Bedürfnissen.

Daraus folgt auch, dass es nicht sinnvoll ist, in Hagen, Hamm oder Bielefeld durchzufahren, um wenige zusätzliche Minuten herauszuholen. Die Deutsche Bahn AG ist mit ihren Sprinterplänen auf großen politischen Widerstand gestoßen und hat sich daher mit den Aufgabenträgern des Nahverkehrs auf ein Konzept für den ICE-Verkehr ab 2023 geeinigt, in dem alle Halte weiterhin bedient werden. Die nach dem Zielfahrplan 2030+ ausgebaute Infrastruktur wird kaum noch Fahrplanänderungen zulassen. Für einzelne Linien im Regionalverkehr ist das Ausmaß, in dem die Infrastruktur den Fahrplan vorherbestimmt, sehr unterschiedlich.

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Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.