Antworten zur Neubaustrecke Bielefeld – Hannover

Was beinhaltet der Vorschlag einer Neubaustrecke Bielefeld – Hannover?

Vorgeschlagen als Teil des Ausbaues der Verbindung Berlin – Rhein/Ruhr ist,

  • die Fahrzeit zwischen Bielefeld und Hannover von heute 49 Minuten auf 31 Minuten zu verkürzen,
  • 300 km/h schnelle Fahrzeuge einzusetzen,
  •  dafür ist eine Neubaustrecke zu bauen, die bereits zwischen Bielefeld und Herford die heutige Bahnlinie verlässt und direkt nach Seelze kurz vor Hannover geführt wird.

Was ist der Unterschied zu der bisherigen Planung?

Die bisherige Planung ist bereits im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten und hat damit eine gesetzliche Grundlage. Die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan bedeutet aber nur, dass das Projekt finanziert und gebaut werden darf, nicht aber, dass gebaut werden muss.
Diese Planung sieht nur eine Neubaustrecke bei Seelze beginnt, an Wunstorf vorbei in gerader Linie in Richtung Stadthagen verläuft, ein Stück weit enmtlang der vorhandenen Schienen verläuft und vor Bückeburg  Süden schwenkt und durch den Jakobsberg (Siehe Foto oben) an der Porta Westfalica vorbeiführt und unweit südlich in die Altstrecke mündet . Der Fahrzeitgewinn würde bei 10 Minuten liegen Weitere Fahrzeitgewinne sind nicht vorgesehen, da die Neubaustrecke nur für 230 km/h ausgelegt werden soll, es werden daher keine Züge benötigt, die schneller als 250 km/h fahren.

Im Unterschied dazu ist der Verlauf der Neubaustrecke bis Bielefeld nicht festgelegt. Nur die Eckpunkte stehen fest.

Neubaustrecke Bielefeld - Hannover Karte Bürgerdialog

Gibt es Unterschiede in den Planungsparametern?

Ja, Eine Neubaustrecke für 300 km/h benötigt Kurvenradien von mindestens 3500 Metern. Für 230 km/h liegt der Kurvenradius mindestens 2000 Metern. Diese Radien sind Optimalwerte für bestimmte Fahrzeugtypen des Personenfernverkehrs.

Kann die Neubaustrecke von Güterzügen befahren werden?

Grundsätzlich ja. Uneingeschränkt nutzbar ist eine Neubaustrecke, wenn eine Steigung 12,5 Promille = 1 Meter Steigung auf 80 Meter Streckenlänge nicht übersteigt und Tunnel nur ein Gleis enthalten, also für jede Richtung eine eigene Tunnelröhre zur Verfügung steht. Ob die Strecke mit dieser Steigung ausgefährt wird, hängt von den Detailplanungen ab.

Ob die Neubaustrecke in der Praxis von Güterzügen genutzt wird, hängt vn weiteren Faktoren ab, unter anderem von der Ausgestaltung der Verknüpfung mit der Altstrecke, von der Anzahl der Überholmöglichkeiten und von den Entgelten, die für die unterschiedlichen Fahrmöglichkeiten erhoben werden.

Diese Voraussetzungen treffen auf ältere Neubaustrecken nicht zu: Die Neubaustrecke von Hannover nach Würzburg ist mit der vorgenannten Steigung gebaut. Hier können Güterzüge tagsüber aber nicht fahren, weil sich Züge in Tunneln begegnen und diese Begegnung bei hohen Geschwindigkeit einen gefährlichen Schlag auslöst. Diese Einschränkung wird für die Neuaustrecke Bielefeld – Hannover nicht gelten, da heute Neubaustrecken nur noch mit getrennten Tunneln für jede Richtung zulässig sind.

Die Neubaustrecken Erfurt – Ebensfeld (- Nürnberg) und Köln – Frankfurt sind nicht oder nur eingeschränkt mit Güterzügen befahrbar, weil die Steigungen höher sind als 12,5 Promille.

Ist der Vorschlag technisch und wirtschaftlich realistisch? Ja. Die Antwort steht hier.

Bringt der Vorschlag weitere Vorteile? Ja. Die Antwort steht hier.

Wird Minden abgehängt? Nein. Die Antwort steht hier.

Wo kann eine solche Neubaustrecke verlaufen?

Das ist noch Spekulation. Nur die Eckpunkte Bielefeld und Seelze stehen fest. Der Eckpunkt Stadthagen wird nicht mehr vorausgesetzt. Erfolgreich waren bisher Projekte, wenn eine Bündelung des Verlaufs mit einer Autobahn erfolgte. Nach Informationen aus dem Bundesverkehrsministerium wird diese Variante bevorzugt geprüft.

Scheitert das Vorhaben, wenn der vorgesehene Fahrzeitgewinn mit dem Ergebnis der Planung nicht ganz erreicht werden kann?

Das ist nicht wahrscheinlich, solange es um wenige Minuten geht. Näheres lesen Sie hier.

Werden die Bürger und Anwohner am Planungsprozess beteiligt?

Ja. Das hat Bundesverkehrsminister Scheuer ausdrücklich zugesagt. Wie eine solche Bürgerbeteiligung aussehen kann, können Sie anhand eines anderen Projekts erkennen (Seite 14 bis 17 der Folien).

Planungsprozess Neubaustrecken

Hinter diesem neuen Planungsprozess stehen Erfahrungen von anderen Neubaustrecken. Insbesondere die Planung der Neubaustrecke Offenburg – Basel hat gezeigt, dass die frühzeitige Berücksichtigung von Interessen der Bürger die Planung erheblich beschleunigen kann. Bürgerinitiativen haben an dieser Neubaustrecke erfolgreich umfangreiche Änderungen eingefordert, unter anderem einen Tunnel für Güterzüge im Bereich Offenburg. Der neue Bürgerdialog ist erfolgreich für die Neubaustrecke zwischen Fulda und Gelnhausen zur Konsenstrasse geführt worden.

Auch für Ausbauten zwischen Hamburg, Bremen und Hannover hat es einen solchen Bürgerdialog gegeben. Hier sind aber im Vorfeld grundlegende Fehler bei der Festlegung der politischen Ziele gemacht worden, so dass das Ergebnis, die Variante 2Alpha E, nicht die Anforderungen erfüllt, die die Bundesregierung stellt. Dieses Verfahren war besonders kompliziert, weil es hier um große Kapazitäten für Güterzüge auf einer Strecke mit Mischverkehr  ging. Bei einer Neubaustrecke von Bielefeld nach Hannover ist es ungleich einfacher, festzustellen, ob das Planungsziel erreicht wird.

Wie steht es um den Lärmschutz?

Lärmschutz muss gewährleistet werden. Die Anforderungen an den Lärmschutz an Neubaustrecken sind sehr hoch.
ICE-Züge sind aber auch leiser, als man vermutet. Sie sind weitaus leiser als eine Autobahn mit Lärmschutzwand.
Auch Güterzüge werden um das Jahr 2030 kein großes Problem mehr sein. Der Lärm von Güterzügen wird vor allem durch aufgeraute Laufflächen der Räder verursacht. Diese Laufflächen werden rau und laut, wenn die Bremsen aus Grauguss bestehen, die auf die Laufflächen reiben. Solche lauten Güterwagen dürfen in der Schweiz schon ab 2020 nicht mehr fahren, und auch in Deutschland ist der Umbau angelaufen. Den positiven Effekt kann man schon heute oft hören, wenn ein Güterzug vorbeifährt: Laute Wagen mit alten Bremsen wechseln sich mit viel leiseren Wagen ab, die schon neue Bremstechnik eingebaut haben.

Haben Sie Fragen, die hier nicht beantwortet werden?
Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.