Enthält der Zielfahrplan 2030+ eine Vorfestlegung für die Streckenführung über Stadthagen?

Aus dem Fahrplanblatt SPNV Nord des Zielfahrplans 2030+ ist eine Zeibhnung ersichtlich, die als Festlegung verstanden werden kann, dass die Neubaustrecke zwischen Hannover und Bielefeld durch Stadthagen führen soll.

Diese Festlegung sah in der am 7. Mai 2019 veröffentlichten Fassung so aus, dass die Altstrecke mit der Neubaustrecke in Stadthagen verknüpft sein sollte:
Auszug aus der Nertzgrafik SPNV Nord Zweiter Entwurf
Auszug aus der am 7. Mai 2019 veröffentlichten Fassung, Dateiname schienengipfel-netzgrafik-nord.pdf

In den folgenden Tagen wurde eine überarbeitete Fassung im Internet veröffentlicht mit diesem Inhalt:

Auszug aus der nach dem 16. Mai 2019 veröffentlichten Fassung, Dateiname: netzgrafik-fernverkehr-nord-gutachten-2.pdf

Eine substanzielle Änderung der Aussagen ist damit nicht verbunden.

Was sagen unveröffentlichte Papiere aus?

Unveröffentlichte Entwürfe von Erläuterungen zum Zielfahrplan 2030+ ergeben ein widersprüchliches Bild. Einerseits wird darauf hingewiesen, dass eine Vorfestlegung der Trassenführung zwischen Seelze und Bielefeld nicht erfolge. Andererseits wird aber darauf hingewiesen, dass die Fahrzeit von Hannover nach Minden so gekürt werden solle, dass der Knoten zur vollen Stunde in Minden erreicht werden soll.

Was enthält der Zielfahrplan wirklich?

Die stündlich verkehrenden Fernverkehrs-Züge zwischen Hannover und Minden, die zweistündlich im Wechsel nach Amsterdam und Köln fahren sollen, sollen die Neubaustrecke abschnittsweise befahren und dadurch 5 Minuten Fahrzeit gegenüber dem heutigen Fahrplan einsparen. Mehr steht im Zielfahrplan nicht und auch nicht in begleitenden Erläuterungen.

Deutungsmöglichkeiten der vorgelegten Zielfahrpläne

Der Zielfahrplan lässt damit zwei Deutungen zu:

  • Die Neubaustrecke soll in einem Abschnitt im Bereich Stadthagen parallel zur Bestandsstrecke führen.Diese Variante wäre eine Vorfestlegung, die die Trassenführung extrem einengen würde (Abb. 1).
  • Eine Verbindungsspange von der Neubaustrecke führt unter Umgehung von Wunstorf und Haste zur Bestandsstrecke zurück und ermöglicht die Fahrzeitverkürzung von 5 Minuten, während die eigentliche Neubaustrecke nicht zur Bestandsstrecke zurückführt. Diese Deutung würde auf eine aufwendigere zusätzliche Verbindungsspange hindeuten, die aber im Bereich Seelze und Wunstorf Konfliktpunkte entlastet und so insbesondere Kapazitäten für die S-Bahn Hannover frei machen kann (Abb. 2).


Abb. 1: Diese Deutung würde den Bürgerdialog über eine Trasse erheblich einschränken.


Abb. 2: Diese Deutung ist ebenfalls möglich. Auch so können die Anforderungen des Zielfahrplans 2030+ erfüllt werden.Damit wäre der Bürgerdialog nicht eingeengt.Erst der Verzicht auf die Spange würde die Fahrzeit der Intercity-Züge beim heutigen Stand belassen. Aber auch diese Fahrzeitverlängerung wäre kompensierbar. Mehr dazu hier.

Besserer Regionalverkehr?

Grundsätzlich könnten auch Regionalzüge zwischen Stadthagen und Hannover die Neubaustrecke bzw. die Zubringer-Spange nutzen. Die Fahrzeit Stadthagen – Hannover läge bei etwa 20 Minuten (auf der Bestandsstrecke 30 Minuten). Damit würden aber die Verknüpfung Haste und der aufkommensstarke Halt Wunstorf umfahren. Ob Niedersachsen ein relevantes Interesse an einer beschleunigten Führung direkter Züge entwickelt, ist fraglich.

Eine durchgreifende Verbesserung könnte jedoch für den S-Bahn-Verkehr realisiert werden. Im Zusammenhang mit der Ausfädelung der Neubaustrecke bei Seelze könnte die heute gegebene Situation, dass S-Bahnen von Wunstorf nach Hannover das Fernbahngleis von Hannover nach Wunstorf ebenerdig queren müssen, beseitigt werden. Zusammen mit der Entlastung des Knotens Wunstorf würde eine Taktverdichtung möglich. Die heutige Gleisbelegung in Hannover lässt das zu. Ein politisches Interesse hieran ist aus Niedersachsen bisher nicht bekannt.

Etappenweise Realisierung?

Die Möglichkeit, den Aus- und Neubau etappenweise zu realisieren, kann als Argument für die Verknüpfung in beiden Varianten dienen.

Fazit zur Streckenführung einer Neubaustrecke Bielefeld – Hannover

Es sind keine Gesichtspunkte ersichtlich, deaus den vorliegenden Unterlagen eine bestimmte Streckenführung abzulesen sind.

Haben Sie Fragen, die hier nicht beantwortet werden?
Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.