Stellungnahme zur Studie Bahnzentrum / Widuland

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> Zur detaillierten Beurteilung des Trassenvorschlags der Studie Bahnzentrum / Widuland

> Zur detaillierten Kritik zum Fahrplan-Vorschlag der Studie Bahnzentrum / Widuland

Zusammenfassung

Die Studie Bahnzentrum / Widuland klingt auf den ersten Blick gut, erweist sich bei näherer Betrachtung aber als fragwürdig, oberflächlich bis unrealistisch und fachlich inkompetent und durch Weglassen von Fakten irreführend.
Man kann den Deutschlandtakt, der auf Halbstundentakt beruht, nicht dadurch verbessern, dass man eine Fahrzeit von A nach B um 15 Minuten verlängert.
Man kann den Deutschlandtakt dadurch nur verschlechtern.

Positiv zu bewerten:

Positiv zu bewerten:
Die Studie anerkennt, dass die Ortsdurchfahrten Bückeburg und Wunstorf nicht ausgebaut werden können, sondern Neubauabschnitte erfordern. Auch sieht die Studie zwischen Haste und Bückeburg keinen Ausbau des Bestandes im eigentlichen Sinne vor, sondern eine Neubaustrecke neben dem Bestand (Seite 63ff. der Studie). Gleichwohl können längere Vollsperrungen der Bestandsstrecke nicht vermieden werden, worauf die Studie selbst hinweist.

Negativ zu beanstanden:
Unvollständig bis fachlich nicht haltbar
Viele Details sind unvollständig oder unzutreffend, insbesondere bei den Kosten und beim Kostenvergleich, insbesondere werden angebliche Kosteneinsparungen in Abschnitten eingerechnet (z.B. Hamm – Dortmund), die nichts mit dem Neubauprojekt zu tun haben. Die Ausgestaltung der Aus- und Neubaumaßnahmen ist teilweise oberflächlich. Der Abriss von Wohnhäusern in Dankersen wurde nicht dargestellt. Rampen für Tunnel wurden nicht seriös berechnet.

Besonders beachtlich ist, dass die Autoren die auf dieser Website wiedergegebenen Antworten und Informationen ignoriert haben. Insbesondere sind die Informationen des Gutachters sMA, die hier vor Beginn der Arbeiten der Autoren der Studie veröffentlicht waren,  der Arbeiten der  niedergelegt sind, nicht beachtet worden.

Die erheblichen Mängel im Deutschlandtakt, die mit einer Fahrzeit von 69 Minuten für Hamm – Hannover erzeugt werden, und die um 22 Minuten längere Fahrzeit gegenüber dem Deutschlandtakt für Köln / Düsseldorf – Berlin (7 Minuten statt 30 Minuten Fahrzeitverkürzung gegenüber heute für Köln – Berlin) lassen erwarten, dass die Idee der Studie keine bundesweite Mehrheit finden wird.

Eine alternative Modellrechnung, wie der Trassenvorschlag der Widuland-Studie in den Deutschlandtakt eingebunden werden könnte, finden Sie am Ende der Seite.

Fahrzeitvergleich

Fahrzeitbeschreibung

Mehr Details zum Fahrzeitvergleich hier

Bewertung der Thesen der Autoren

These 1: Eine Neubaustrecke Hannover – Bielefeld für 31 Minuten Fahrzeit ist nur im Zusammenhang mit einem Ausbau der Strecke Bielefeld – Hamm auf mindestens 250 km/h sinnvoll.
Diese These ist nicht zutreffend. Vorstellbar ist durchaus, dass der Ausbau Hamm – Bielefeld gar nicht, früher oder erst sehr viel später stattfindet. Die 5 Minuten Fahrzeitgewinn, die hier erzielt werden sollen, können auch zwischen Hannover und Wolfsburg bzw. Magdeburg hereingeholt werden. Es kommt entscheidend darauf an, dass die Kapazität zwischen Hamm und Bielefeld gesteigert wird. Ein Kostenvergleich zwischen den Alternativen dürfte durchaus sinnvoll sein.

These 2: Ein integraler Taktfahrplan ist auch mit einer um 15 Minuten längeren Fahrzeit für ICE zwischen Hamm und Hannover umsetzbar.
Diese These ist zwar an sich zutreffend, gilt aber nicht für die Nachbearbeitung des Zielfahrplan 2030+ von SMA. Der Zielfahrplan beruht auf Halbstundentakten und Stundentakten. Eine Fahrzeit von 75 statt 60 Minuten (Knotenabstand) führt zu gravierenden Taktbrüchen. Die Kommentare zu Thesen 3 und 4 zeigen dies.

These 3: Auch wenn die Reisegeschwindigkeit des ICE geringfügig sinkt, so können mit einem modifizierten Konzept deutliche Fahrplanverbesserungen erzielt werden.
Das trifft so nicht zu. Verbesserungen gegenüber dem heutigen Fahrplan erzielt die Widuland-Studie nur in Direktverbindungen.
In fast allen Umsteigeverbindungen verpufft die Investition.
Gegenüber dem Deutschlandtakt verlängert die Studie die Fahrzeit Hamm – Berlin um 22 Minuten, in anderen Verbindungen um bis zu 60 Minuten. Die Studie lässt einen Fahrplan vermissen, der die Auswirkungen der Fahrzeitverlängerung und die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf 250 km/h darstellt.
Ohne weitere Ausbauten verlängert sich die Fahrzeit von Rhein/Ruhr nach Braunschweig – Magdeburg – Leipzig – Dresden um 30 Minuten. Dieser Konsequenz entgehen die Autoren mit einem Trick: Sie lassen den Fahrplan Hannover – Magdeburg unverändert und stellen den Anschluss mit einem TEE Paris – Warschau bzw. einem „Flixtrain“ her. Damit verstoßen die Autoren gegen Grundprinzipien des Deutschlandtakts: Im Gegensatz zu den ICE-Linien (FV 10, FV 47) sind „TEE“- und Flixtrain-Trassen Zusatzangebote, die nicht in das Grundangebot einbezogen sind, andere Taktknoten nicht bedienen, hinsichtlich der Fahrzeiten nicht mit Belgien und Frankreich abgestimmt sind, gegebenenfalls nur zu Spitzenzeiten verkehren sollen und nicht dem deutschen Tarifsystem unterliegen müssen.
Die Fahrzeit Münster – Magdeburg – Leipzig – Dresden verlängert sich gegenüber dem Deutschlandtakt um 30 Minuten, damit verpufft jeglicher Fahrzeitgewinn durch Ausbauten, da die Knoten Münster und Magdeburg nicht verbunden werden. Damit verstoßen die Autoren gegen Grundprinzipien des Deutschlandtakts. Dieser hat gerade das Ziel, Fahrzeitverkürzungen so einzupassen, dass sie zwischen allen relevanten Knoten wirksam werden.

These 4: Ein Konzept, das einseitig auf Geschwindigkeit setzt, wird der Eisenbahn nicht den
gewünschten Fahrgastzuwachs bescheren.
Die These trifft auf den Deutschlandtakt nicht zu, ihr Gebraucht ist als populistische Irreführung zurückzuweisen.
Der Deutschlandtakt setzt gerade nicht einseitig auf Fahrzeitverkürzung, sondern über die Gestaltung integraler Knoten auf die Verkürzung der Fahrzeiten aus der Region in die Region. Münster und Magdeburg sind solche Knoten, die die Anschlüsse in die gesamte Region vermitteln. Wird zwischen diesen Knoten die Verkürzung der Fahrzeit nicht wirksam, so geht ein erheblicher Teil des Sinnes des Deutschlandtaktes verloren.

These 5: Nur eine zweite Strecke Minden – Seelze mit Anbindung an den Bahnhof Minden erlaubt eine optimale Ausnutzung der Streckenkapazitäten in diesem Abschnitt.
Diese These ist nicht zutreffend. Die auf der Bestandsstrecke Bielefeld – Minden verkehrenden Fernzüge erzeugen zwischen Bielefeld und Minden Fahrplanzwänge, die nicht bestehen, wenn diese Züge die Strecke bei Bielefeld verlassen.

These 6: Für einen Kostenaufwand von unter 4 Mrd. € gegenüber voraussichtlich über 10 Mrd. € für die „300 km/h-Lösung“ kann der gesamte Korridor Hamm – Seelze inklusive der Anschlussrouten betrieblich optimiert werden.
Diese These trifft nicht zu. Diese Zahlen sind großenteils nicht belegt und unseriös dargestellt.
Der Ansatz von „10 Mrd. Euro“ ist unzutreffend. 9,1 Mrd. Euro (Baukosten-Index 2015) sind für alle Maßnahmen von Dortmund bis Berlin angesetzt (Maßnahmenliste Deutschlandtakt). Wenn man alle Maßnahmen herausrechnet, die unabhängig verwirklicht werden müssen (Dortmund – Hamm, Bahnhöfe Hamm, Hannover, Lehrte, Stendal, Rathenow u.  a.), verbleiben 7,4 Mrd. Euro für den Kernabschnitt Hamm – Seelze.
Genauso unzutreffend sind die „4 Mrd. Euro“. Ausweislich Seite 93 und 94 der Studie handelt es sich um 4,7 Mrd. Euro. Diese geringe Summe ergibt sich,
* weil das dritte Gleis Dortmund – Hamm gestrichen wurde (1,2 Mrd. Euro) und,
* weil der Bau von 48 km Neubaustrecke Minden – Seelze mit nur 1,2 Mrd. Euro berechnet wurde (25 Mio. Euro/km). Der Wert für die Neubaustrecke Hamburg – Hannover, einer reinen Flachlandstrecke, ist von der Bundesregierung höher angesetzt worden (29,1 Mio. Euro/km), hier bestehen keine komplexen Orts- und Bahnhofsdurchfahrten und Eingriffe in den Bestand.
Korrigiert man die Werte, so stehen 7,1 Mrd. Euro für die D-Takt-Planung 6 bis 7 Mrd. Euro für die Planung Bahnzentrum gegenüber.
Die Kosten der alternativen Maßnahmen sind aber noch unvollständig. Insbesondere erfordert die längere Fahrzeit Hamm – Hannover (siehe oben zu These 3) die Verkürzung der Fahrzeit Hannover – Magdeburg um den gleichen Wert. Die so erforderliche Fahrzeitverkürzung kann nur mit einer Neubaustrecke von Braunschweig bis Marienborn (40 km) erzielt werden. Nimmt man diese Kosten hinzu, so wird der Kostenvorteil zwischen Hamm und Hannover mehr als kompensiert.

These 7: Aus Sicht des Klimaschutzes kann ein effizienter Streckenausbau mit geringeren Geschwindigkeitsstandards für Hochgeschwindigkeitszüge den Ausstoß von Klimagasen um 75 % allein beim Bau senken.

Diese These ist populistisch. Sie versucht, Einzelaspekte hervorzuheben und lenkt von einer ökologischen Gesamtbewertung der komplexen Zusammenhänge ab. Einen seriösen Versuch, das komplexe Thema darzustellen,
lesen Sie hier.
Grundsätzlich ist das Herausgreifen einer einzelnen Klimawirkung aus einem komplexen Geschehen problematisch und gehört zu den Instrumenten einer unseriösen politischen Auseinandersetzung.
Die These kann hinsichtlich des Baues im Prinzip zutreffen, weil weniger Tunnel benötigt werden. Die Annahme einer Zahl „75 %“ ist aber spekulativ und nicht ausreichend unterlegt.
Der Bau einer Bahnlinie ist aber nur ein Teil der gesamten Klimabilanz des Projekts. Gegebenenfalls sind alle Umweltwirkungen zu bilanzieren. Die einfache Rechnung, dass der Energieverbrauch eines Zuges mit steigender Geschwindigkeit überproportional zunimmt, genügt nicht zu einer Beurteilung, vielmehr müssen die komplexen Wirkungen des Projekts auf den Verkehrsmarkt und damit auf den Energiebedarf bilanziert werden. Gerade der Deutschlandtakt sichert, dass der Einsatz von 300 km/h schnellen Fahrzeugen den Energieaufwand rechtfertigt bzw., systembedingt senkt.

 

Kritik zum Inhalt der Studie:

Beurteilung des Trassenvorschlags: Zu oberflächlich

Der Trassenvorschlag ist zu wenig ausgearbeitet, um bereits diskussionswürdig zu sein. Daten, die ohne großen Aufwand aus dem Internet hätten ermittelt werden können, bleiben unberücksichtigt, Eingriffe in den Bestand und in Siedlungen werden unzulänglich beschrieben. Der Kostenansatz von 1.200 Mio. Euro für „NBS Minden – Seelze für 250 km/h“ (siehe Seite 93) ist grob untertrieben und berücksichtigt nicht ausreichend die Kosten von ständig wechselnden Bauzuständen und langer Bauzeit. Zwei der drei vorgeschlagenen Tunnel benötigen Rampen, die für Güterverkehr nicht geeignet sind. Die Details sind hier erläutert.

Rückkehr zum unzulänglichen Bundesverkehrswegeplan von 2016

Mit ihrem Ansatz einer Fahrzeit Hamm – Hannover von 41 Minuten kehrt die Studie zum Bundesverkehrswegeplan von 2016 zurück. Dieser hatte mit dem „Porta-Tunnel“ eine Fahrzeitverkürzung von 8 Minuten gegenüber dem Ist-Zustand erzielen wollen. Das Projekt war mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 2,0 positiv bewertet worden. Wie ein Fahrplan auf dieser Basis und einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h aussieht, ist im Zielfahrplan 2030 (ohne „Plus“) anzusehen. Mit diesem Fahrplan, erstellt von SMA, wurden die Auswirkungen der Maßnahmen des Bundesverkehrswegeplans von 2016 dargestellt.

Auszug aus dem „Zielfahrplan 2030“: Fahrplan auf der Grundlage der Ausbauten des BVWP 2030. Quelle: SMA im Auftrag BMVI, 2017.

Detail hieraus, Auszug aus dem „Zielfahrplan 2030“: Fahrplan auf der Grundlage der Ausbauten des BVWP 2030. Quelle: SMA im Auftrag BMVI, 2017

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Da die Fahrzeitverkürzungen nur auf der Direktverbindung, nicht aber für Umsteiger wirksam wurden, wurde der Fahrplan im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums zur Optimierung an SMA beauftragt. SMA legte im Oktober 2018 den ersten Entwurf öffentlich vor. In diesem Zielfahrplan 2030+, 1. Entwurf, war als erste neue Strecke die Verbindung Rhein/Ruhr – Berlin von 250 km/h auf 300 km/h heraufgesetzt worden, weil nur diese Heraufsetzung ein schlüssiges Taktsystem zwischen Münster und Berlin bzw. Magdeburg herstellen konnte. Der Vorwurf, bei der Idee der Neubaustrecke Bielefeld – Hannover würde es sich um ein Produkt der „Schnellfahrlobby“ handeln, trifft gerade nicht zu – er ist das Ergebnis eines konsequenten integralen Taktfahrplans.
Die Entscheidung für diesen Fahrplanentwurf wurde sogar gegen den seinerzeitigen Widerstand der Führung der Deutschen Bahn AG getroffen, da der Einsatz von nur 250 km/h schnellen Zügen keinen ausreichenden Nutzen der Investitionen für Umsteiger erbringen konnte.

Auszug aus dem „Zielfahrplan 2030+, 1. Entwurf. BMVI, 2018.

Auszug aus dem „Zielfahrplan 2030+, 1. Entwurf. BMVI, 2018.

Problem des Deutschlandtakt-Zielfahrplans wird reproduziert

Der Zielfahrplan von SMA wird dahin kritisiert, dass die Ankunfts- / Abfahrtszeit in Hannover Richtung Bielefeld zur Minute 00 und 30 liegt und damit nicht den Ansprüchen des integralen Taktfahrplans genügt. Dieses Problem verschiebt die Studie um eine Viertelstunde, indem die Ankunftszeit / Abfahrtszeit auf Minute 15/45 gesetzt wird. Bei dieser Gestaltung liegt die Haltezeit um 1,5 Minuten verschoben zur integralen Haltezeit. Von einer Studie wäre zu erwarten gewesen, dass dieser Fehler beseitigt wird.

Beschränkter Blick auf die Region verzerrt das Bild und blendet Probleme aus

Wie die Studie auf Seite 49 vermerkt, sind Fahrplanänderungen außerhalb des Raums, der untersucht wird, außer Betracht geblieben. Das betrifft aber gerade den Abschnitt Wolfsburg – Berlin und die Anschlüsse in Berlin. Der Taktfahrplan von SMA ist bundesweit durchgearbeitet und optimiert. Daraus einen Teil herauszubrechen und ungeprüft Auswirkungen darüber hinaus nicht zu beschreiben und zu bewerten, ist nicht akzeptabel und verzerrt das Bild. Das zeigen die nachfolgenden Punkte.
Stattdessen begeben sich die Autoren der Studie auf Kriegsschauplätze, die mit der Neubaustrecke nicht zu verbinden sind: Stellungnahmen zur Neubaustrecke Hamburg – Hannover, Ausbau Minden – Nienburg, zum Fernbahntunnel Frankfurt, zum Bau eines dritten Gleises zwischen Dortmund und Hamm (dessen Bau zwischen DB, Unternehmen, Aufgabenträgern des Nahverkehrs völlig unstrittig ist und in der Region gefordert wird) und übernehmen ungeprüft Thesen von anderen Kritikern des Deutschlandtakts.
Auch die beigefügten Fahrpläne befassen sich völlig überflüssig mit Strecken (bis hin zu Busfahrplänen), die mit der Neubaustrecke nichts zu tun haben. Andererseits wird nicht erkannt, dass der aufgestellte Fahrplan des Intercity Köln – Dresden westlich von Dortmund überhaupt nicht fahrbar ist (siehe weiter unten).

22 Minuten länger nach Berlin als im Deutschlandtakt

Ein Fahrplan, aus dem sich die Fahrzeit Hamm – Berlin ergibt, ist der Studie nicht beigefügt. Die Studie sieht gegenüber dem Deutschlandtakt eine Verlängerung der Fahrzeit von 15 Minuten für Hamm – Hannover vor. Der Deutschlandtakt sieht aber vor, auch zwischen Wolfsburg und Berlin 300 km/h zu fahren. Dafür muss nur die Signaltechnik angepasst werden. Dadurch werden die Züge weitere 7 Minuten schneller. Das ist mit dem Konzept der Studie nicht möglich.  Daher macht die Studie die Fahrt Rhein/Ruhr also um 22 Minuten langsamer. Für Fahrgäste, die über Berlin hinaus fahren, bedeutet dieses in der Regel eine Fahrzeitverlängerung von 30 Minuten.
Mehr Details im Fahrzeitvergleich.

In Blau die veränderten Fahrzeiten der Widuland-Studie. Exemplarisch sind hier die Anschlussverluste dargestellt, die die Widuland-Studie in Berlin in Kauf nehmen will. Zum Vergrößern klicken!

Studie rettet mit Tricks den Taktfahrplan: Deutschlandtakt nicht verstanden


Zugangebot gemäß Zielfahrplan 3. Entwurf mit Erläuterungen. Zum Vergrößern klicken!

Erst im dritten Entwurf des Zielfahrplans wurden die Zugzahlen weiter vermehrt, um darzustellen, dass neben dem Grundtakt auch weitere Fernverkehrszüge in den Fahrplan eingepasst werden können. So wurden internationale Züge von Wettbewerbern der DB (Thalys) und Züge für preissensible Reisende („Flixtrain“) eingefügt. Für diese Züge besteht nicht der Anspruch, dass sie Taktknoten bedienen und dass sie an allen Tagen der Woche und von früh bis spät verkehren und auch nicht, dass durchgehende Fahrkarten ausgegeben werden. Solche Zugangebote nutzt die Studie, um darzustellen, dass der Fahrplan von Hannover nach Magdeburg und alle daran hängenden integralen Taktknoten in Sachsen-Anhalt, Sachsen und dem südlichen Brandenburg sichergestellt sei. Tatsächlich ist dies ein Trick, um der Darstellung von Anschlussverlusten in der Studie zu entgehen. Die Anschlussverluste treten ein, weil der ICE-Grundtakt in Hannover zwar um 15 Minuten verschoben werden soll, nicht aber der an den Taktknoten Magdeburg gebundene Intercity Norddeich / Köln – Leipzig – Dresden. Aufgefangen werden soll dieser Anschlussverlust durch einen Anschluss an den mit „TEE“ bezeichneten Fernzug Paris – Warschau der Linie FV 19, der nur zweistündlich und nur zu Spitzenzeiten vorgesehen ist.
In der anderen Stunde soll der Intercity FR 35 von/nach Köln beschleunigt verkehren, was nicht möglich ist (siehe unten). Im Zielfahrplan ist hier der FV 92 vorgesehen, eine „Flixtrain“-Trasse. Da diese Züge weder verlässlich verkehren noch die Taktknoten Hamm (Anschluss Münster) noch Hagen (Anschluss Ruhr-Sieg) bedienen, entstehen Fahrzeitverluste von einer halben Stunde gegenüber dem Deutschlandtakt. Der in der anderen Stunde vorgesehene „Flixtrain“ (FV 92) wird durch den beschleunigten IC Dresden – Köln überplant, ohne dies darzustellen.
Mehr Details im Fahrzeitvergleich.

Hintergrund dieser Angaben ist die Datenbank www.fernbahn.de. Diese private Quelle macht den Zielfahrplan 2030+ lesbar und ist ein gutes Hilfsmittel, um Fahrpläne nachzuvollziehen. Alle im nachfolgenden Text genannten Probleme sind hier schnell aufzudecken. Allerdings sind geringfügie Fehler enthalten, so die Deutung der Fernlinie Paris – Warschau als „TEE“, die im Zielfahrplan selbst nicht belegt ist. Die zugehörige Bedienungshäufigkeit ist vom Autor der Website www.fernbahn.de selbständig interpretiert worden. Diese Daten wurden ungeprüft übernommen.

Hier ein Link zum Abfahrtsplan Hannover gemäß Zielfahrplan 2030+ in der Interpretation von fernbahn.de.

Intercity Dresden – Köln: Taktfahrplan nicht verstanden

Die Studie schlägt die Beschleunigung des Intercitys Dresden – Köln (FV 35) zwischen Hannover und Dortmund vor und zerreißt damit ab Dortmund den integralen Taktfahrplan auf der Wupper-Achse. Die Strecken sind hier so überlastet, dass der Zielfahrplan für den Deutschlandtakt die Fahrzeiten nur geringfügig gegenüber heute optimiert, aber nicht grundlegend ändert.
Zwischen Dortmund und Hannover hat dieser Zug heute wie im Deutschlandtakt einen Zeitüberschuss gegenüber der reinen Fahrzeit, der genutzt wird, die integralen Taktknoten Solingen, Hagen, Dortmund und Hannover zu bedienen und Anschlüsse herzustellen.
Die Studie nutzt diesen Zeitüberschuss, um den Zug von Hannover her zu beschleunigen. Dadurch trifft er von Hannover her 20 Minuten früher in Dortmund ein und fährt 20 Minuten später ab. Die Beschleunigung von 30 Minuten wird nicht erreicht – daher läuft die Fahrtrasse in die bereits von dem RE 4 belegte Fahrlage, der Anschluss Bremen – Dortmund – Wuppertal wird nicht aufgenommen. Der Konflikt ist nicht lösber.
Das zeigt: Man kann nicht nur ein Stück des Fahrplans optimieren und meinen, das würde dann schon irgendwie passen.


In den gelb unterlegten Bereich möchte die Widuland-Studie einen weiteren Intercity unterbringen. Die Strecken sind aber voll ausgelastet. Auszug aus dem Zielfahrplan 2030+, 3. Entwurf, Blatt NRW.

Der Nordharz wird abgehängt

Weiter wird der Nordharz vom schnellen ICE-Verkehr abgehängt. Mit dem Regionalexpress Hannover – Bad Harzburg und dem integralen Taktknoten Goslar wird der gesamte Nordharz erschlossen. Diese Zugleistung verlässt Hannover zur Minute 41. Die Anpassung auf eine Abfahrtszeit 52 würde eine Neubaustrecke erfordern. Diese wäre zwar zwischen Hildesheim und Goslar wünschenswert, um den Anschluss Frankfurt – Goslar herzustellen, gehört aber in die Kostenrechnung für den Vorschlag der Studie.

Anschluss nach Dessau gekappt

Die Intercity-Linie Hannover – Magdeburg wurde von der Studie um 4 Minuten verschoben. Damit ist der Anschluss des Express Magdeburg – Dessau – Leipzig nicht mehr erreichbar. Der Fahrplan hätte überarbeitet werden müssen.

Sprinter Ruhrgebiet – Hamburg gestrichen

Die mit der Liniennummer FV 29a eingetragene Linie als schnellste Sprinter-Verbindung Ruhrgebiet – Hamburg wird in der Studie in einen Interregio über Nienburg umgewandelt. Offenbar ist der Sinn dieses Sprinters von den Autoren der Studie nicht verstanden worden: Die Linie 29a verlagert den heute verkehrenden Sprinter Essen – Hamburg (ohne Halt über Osnabrück) auf die Neubaustrecken, um einen Halbstundentakt mit ICE und mehr Güterverkehr über Osnabrück möglich zu machen.

Politische Chancen gering

Es ist sehr bedauerlich, dass die Studie so viele fachliche Mängel aufweist. Mehr Präzision und eine Konzentration auf die eigentliche Trasse zwischen Minden und Wunstorf hätte der Sache mehr gedient. Eine präzise Herausarbeitung der Fragen an die Politik wäre hilfreicher gewesen.
Denn die hinter der Studie stehenden Anliegen sind durchaus diskussionswürdig.
Wer Geld beim Neubau sparen will, sollte zuerst darüber nachdenken, ob es wirklich notwendig ist, im Mittelgebirge Neubaustrecken für den schweren Güterverkehr zu bauen, erst recht dann, wenn die Güterzüge dort nur nachts fahren sollen. Die Mehrkosten dafür sind enorm.
Wer noch mehr Geld sparen will, muss darüber nachdenken, wo Gewerbegebiete und Wohnbauten abgerissen werden können, um die Strecke billiger zu bauen – und muss das auch politisch und rechtlich durchsetzen.
Wer den Fernverkehr nur mit 250 km/h statt 300 km/h betreiben möchte, muss nicht nur den gesamten Deutschlandtakt neu schreiben und kommt dann um Investitionen an anderer Stelle, möglicherweise in gleicher Höhe, nicht herum, sondern muss auch überlegen, ob die von der Politik geforderten Fahrzeitverkürzungen durch zusätzliche Sprinterzüge hereingeholt werden können. Zwar weist die Studie zu Recht darauf hin, dass der Energieverbrauch bei 300 km/h exponentiell ansteigt, doch rechnet man dagegen zusätzliche Sprinterzüge, wie sie die Deutsche Bahn zwischen Köln und Berlin ohne Halt bereits einsetzt, so geht die Rechnung schon nicht mehr ohne weiteres auf. Mehr erfahren Sie hier.

Widuland-Trasse im Deutschlandtakt – ein Gedankenspiel

Es ist nicht absolut undenkbar, die Widuland-Trasse auch in den Zielfahrplan des Deutschlandtakts zu integrieren.
Die notwendigen Maßnahmen:

  • Hamm – Bielefeld auf 300 km/h ausbauen
  • (Minden -) Evesen – Hannover auf 300 km/h ausbauen
  • Lehrte – Wolfsburg auf 300 km/h ausbauen
  • Wolfsburg – Berlin auf 300 km/h ausbauen

Mit diesem Ausbau wäre die Fahrzeit Hamm – Berlin um 3 Minuten länger als nach dem Deutschlandtakt-Fahrplan.

  • Hannover – Braunschweig auf 160 km/h ausbauen
  • Braunschweig – Helmstedt teilweise ausbauen
  • IC-Halt Helmstedt streichen

Damit würde der Knoten Magdeburg erreicht

  • Neubauabschnitt Hildesheim – Goslar
  • Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit Braunschweig – Vienenburg

Damit würden die Taktknoten Goslar und Vienenburg erreicht.

Was dennoch bleibt

  • 8 Minuten längere Fahrzeit Bielefeld – Hannover
  • Anschlussverluste in Hannover
  • Anschlussverluste in Braunschweig
  • 8 Minuten längere Fahrzeit Bielefeld – Hamburg
  • Zweifel an der Machbarkeit aller Maßnahmen
  • Ein schlechter Kosten-Nutzen-Quotient.
  • Keine politische Überzeugungskraft.

Geodaten anzeigen

Die Deutsche Bahn hat die für den Suchraum der Neubaustrecke Hannover-Bielefeld erhobenen Geodaten veröffentlicht. Wo die Gedoaten zu finden sind und wie sie lesbar sind,  erfahren Sie hier.

Karten im üblichen Format

Die von der DB zur Verfügung gestellten Karten erfüllen nicht alle Ansprüche, sind aber ohne Vorbereitung zugänglich.
PDF
https://www.hannover-bielefeld.de/sites/default/files/2021-11-09_03_plenum_folien.pdf
Bilddateien
Karten mit den Grobkorridoren und Raumwiderständen der Klasse V als Bild-Dateien (png-Format):
https://www.hannover-bielefeld.de/d/2021-11/10_11_2021_A4_q_grobkorridore_WSG_DTK_400dpi.png
https://www.hannover-bielefeld.de/d/2021-11/10_11_2021_A4_q_grobkorridore_OSM.png

Mit ein wenig Aufwand können Sie sich die Geodaten der DB vollständig zugänglich machen.

Voraussetzungen

  • Betriebssysteme: Windows, Mac, Linux
  • Ein leistungsstarker PC, da das empfohlene Programm recht anspruchsvoll ist
  • einige Gigabyte freier Speicher,
  • einigermaßen schnelles Internet,
  • und ein wenig Erfahrung mit der Erschließung unbekannter Programme.

Daten herunterladen

Geodaten zu den Raumwiderständen und Grobkorridoren als GeoPackages (gpkg-Dateiformat) können hier heruntergeladen werden:
https://www.hannover-bielefeld.de/infos/medien/geodaten
Empfohlen wird, diese Daten in einem eigenen Ordner zu speichern, der leicht erreichbar ist (zum Beispiel C:\Geodaten). Legen Sie diesen Ordner nicht auf dem Desktop an, denn das macht Ihr Gerät langsam, und nehmen Sie nicht Ihre von Windows leicht erreichbaren Ordner „Dokumente“ oder „Downloads“, denn diese finden Sie mit dem unten genannten Programm nur schwer wieder.

Programm herunterladen und installieren

Laden Sie das Programm QGIS herunter:
https://www.qgis.org/de/site/forusers/download.html
Direktlink für Windows empfohlen die eigenständige Version (1 GB):
https://qgis.org/downloads/QGIS-OSGeo4W-3.22.1-1.msi
Installieren Sie diese Version vollständig. Die Installation läuft ohne besondere Rückfragen.

Programm öffnen und vorbereiten

Unter Windows öffnen Sie das Programm, indem Sie im Startmenü-Ordner „QGIS Destop“ aufrufen.
Sie sollten drei Fenster „Browser“, „Layer“ und das Kartenfenster sehen. Wenn diese Fenster nicht angezeigt werden, können Sie diese über „Ansicht“ einblenden.
So tritt Ihnen das Programm gegenüber:
QGIS-Programmfenster

Im Fenster „Browser“ navigieren Sie zu der Datei , die Sie ansehen möchten. Öffnen Sie den Dateinamen mit einem Doppelklick und dann die gleichnamige Zeile darunter.
Nun sehen Sie die enthaltenen Daten, aber ohne geografische Zuordnung.
QGIS Datei öffnen

Sie müssen jetzt geografische Karten als „Layer“ hinzufügen.
Sie suchen im Browser-Fenster ziemlich weit unten nach
XVZ-Tiles
und klicken doppelt darauf.
In der Zeile darunter öffnet sich der Ordner „OpenStreetMap“.
Nach einem Doppelklick darauf wird die Karte von OpenStreetMap im Kartenfenster angezeigt und ist in der Liste der Layer angezeigt.
QGIS Grundkarte einblenden

Allerdings ist jetzt der Inhalt der GeoPackage-Datei verschwunden, Sie müssen erneut im Browser-Fenster darauf klicken, um sie an die Oberfläche zu holen.

QGIS Datei auf Karte anzeigen
Nun können sie mit dem Zoom-Werkzeug der oberen Leiste vergrößern.
Weiter können Sie jetzt mehrere Dateien der Raumwiderständen übereinanderlegen oder einzeln ein- und ausblenden.
Wenn Sie die Schritte nicht von vorne machen wollen, speichern Sie das Projekt als qgz-Datei.
Mit der Funktion
Projekt > Import/Export können sie auch als Bild oder als pdf speichern.

Mehr brauchen Sie nicht, um die Dateien einzusehen. Alle weitere Arbeiten erfordern eine Einarbeitung in das Programm. Hierzu gibt es zahlreiche Tutorials im Internet.

Höhen feststellen

Wenn Sie Höhendaten ermitteln möchten, nutzen Sie die Seite
https://www.mapcoordinates.net/de
Hier sind die gezeigten Karten OpenStreetMap, die angezeigten Höhendaten von Google Maps.
Geben Sie in das Suchfeld „Bielefeld“ ein, klicken Sie auf die Anzeige des Suchergebnisses und navigieren Sie zu der gewünschten Stelle und klicken Sie darauf.

Weiterführende Hinweise zum Geodaten-Format

Weiterführende Hinweise zum Dateiformat und zu geeigneter Software finden Sie hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/GeoPackage

Haben Sie Fragen, die hier nicht beantwortet werden?
Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.

Was beinhaltet die Maßnahmenliste zum Deutschlandtakt?

Am 18. August 2021 wurde der Entwurf der Maßnahmenliste zum Deutschlandtakt veröffentlicht. Hier bieten wir Ihnen eine übersichtliche und kritisch kommentierte Liste aller Maßnahmen im Korridor Dortmund – Berlin.

Eine kritische Bewertung finden Sie zu den Einzelmaßnahmen finden Sie auf dieser Seite.

 

Das Original des Dokuments können Sie hier herunterladen.

Auszug aus der Maßnahmenliste

lfdNr.Strecke / KnotenVerkehrliches Ziel laut ZielfahrplanBeschreibung der MaßnahmeFinanzierung betrifftKosten [Mio. €]Fahrzeit-VerkürzungErläuterungKommentar
AbschnittDortmund - Hamm
12Dortmund -HammMischverkehrsstrecke, Kapazitätssteigerung und Engpassauflösung für Mehrverkehr SPV, RRX4 Dortmund - Hamm verkehrt trassenparallel mit FR35 und FV19drittes Gleis Dortmund Dbw - Hamm; zusätzliches viertes Gleis Abzweig Dortmund Dbw - Dortmund-ScharnhorstFern- und Güterverkehr1278,72 Min.Beseitigung der Bahnübergänge für 200 km/h, drittes Gleis für Nahverkehrsinnvoll, aber unterdimesioniert
20Knoten DortmundKapazitätssteigerung aufgrund Mehrverkehr Dortmund - Hamm im SPVDortmund Hbf: Verlängerung des Bahnsteigs an Gleis 21 auf 400 m inkl. Verschiebung von Weichen zur Nutzung durch den SPFV und Aufgabe des bahnsteiglosen Gleises 24Fern- und Güterverkehr7,3Entlastung der Fernbahnsteigesinnvoll
19Knoten DortmundDoppelbelegungen aufgrund Mehrverkehr Dortmund - Hamm im SPFV und SPNVBahnsteigabschnittssignale in Dortmund Hbf an Gleis 26 zur Doppelbelegung Emschertalbahn / WestmünsterlandbahnFern- und Güterverkehr3,1Entlastung der Fernbahnsteigesinnvoll
AbschnittHamm - BielefeldFern- und Güterverkehr
13Knoten HammEngpassauflösende Maßnahme im Knoten Hamm für Mehrverkehre im SPFV und SPNV, Beitrag zur Reisezeitkürzung in der Relation Bielefeld - Ruhrgebiet / Köln von bis zu einer Minute ggü. Fahrplan 2021 zur Anschlussherstellung in den Knoten Hamm und KölnUmbau Knoten Hamm (mit ABS/NBS Dortmund - Hamm - Bielefeld - Seelze) zur Kapazitätssteigerung bzw. Engpassauflösung sowie zur Knotenbildung: - Überwerfung von Dortmund nach Gleis 712 und von Gleis 711 nach Unna - Gleis 713 wird durchgehendes RRX-Hauptgleis Richtung Dortmund - Gleis 712 wird durchgehendes RRX-Hauptgleis Richtung Bielefeld - mittiges Wartegleis für SGV Richtung Bielefeld im Nordkopf (740 m) - Umfahrung DKW 804 in Richtung Hamm - Dortmund (Eilgutgleis) durch Bau einer Verbindung DKW842 - Gleis 670 - Eilgutgleis - Ertüchtigung G-Bahn zwischen Selmig und Abzw. HpsFern- und Güterverkehr392,1sinnvoll
14Hamm — Bielefeld -HannoverEngpassauflösung wegen Mehrverkehr SPFV und SPNV und besserer Knoteneinbindung (Anschlussherstellung) in Hamm und Hannover (Zielfahrzeit Hamm - Hannover: 54 Minuten inkl. 2‘ Haltezeit in Bielefeld Hbf), zudem Beitrag zur Fahrzeitverkürzung Berlin/Hannover - NRW auf 3:35 h, Erreichung Zielfahrzeit Hamm - Bielefeld: 21 Minuten; zudem Maßnahmenliste Halbstundentakt DB Netz AG 2026: Minimierung Verspätungsübertragungsrisiko, „Robustes Netz NRW“ bis zur IBN NBS/ABS Hamm - Seelze (Etappierungsmaßnahme)Ausbau Fernbahn Hamm - Bielefeld für bis zu 300 km/h; Ertüchtigung der Güterbahn Hamm - Herford (Gz-Gleise) für den Personenverkehr (160 km/h); neue Schweichelner Kurve, Anpassung div. Bahnhofstopologien, Bahnsteige an der Strecke 2990 Gleisaufweitung für Bau eines Mittelbahnsteigs in Gütersloh (Gleis 5 und 6) Bau von Überholgleisen für den Personenverkehr (Nutzlänge 215 m) in Ahlen und OeldeFern- und Güterverkehr2061,85 Min.Kernmaßnahme der Fahrzeitverkürzung mit fragwürdigen Neben"verbesserungen" kombiniert, Betriebskonzept nicht bekanntAlternativen nicht geprüft, Abstimmung mit SPNV nicht erfolgt
AbschnittBielefeld - Hannover
17Knoten BielefeldKapazitätsausweitung aufgrund Mehrverkehr SPV im Rahmen der ABS/NBS Dortmund - Hamm - Bielefeld - Seelze: Ermöglichung doppelter Gleisbelegungen an den Gleisen 6 und 7; Parallele Fahrmöglichkeiten im Süd- und Nordkopf in Bielefeld Hbf aufgrund Erhöhung Mengengerüst und Knotenfunktion Bielefeld Hbfneuer Mittelbahnsteig in Bielefeld Hbf zwischen den Gleisen 7 und 8, zusätzliche WeichenFern- und Güterverkehr22,4nach Bielefeld 17 Min., nach Osnabrück 4 Min.Alternativen nicht geprüft, Abstimmung mit SPNV nicht erfolgt
15Hamm — Bielefeld -HannoverKapazitätssteigerung und Engpassauflösung wegen Mehrverkehr SPFV und SPNV und besserer Knoteneinbindung (Anschlussherstellung) in Hamm und Hannover (Zielfahrzeit 54 Minuten inkl. 2‘ Haltezeit in Bielefeld Hbf), zudem Beitrag zur Fahrzeitverkürzung Ber-lin/Hannover - NRW auf 3:35 h, Erreichung Zielfahrzeit Hannover -Bielefeld: 31 Minuten als Folge der Kantenzeit Hamm - Hannover von 54 MinutenNBS/ABS Bielefeld - Seelze für bis zu 300 km/hFern- und Güterverkehr5130,8Kernmaßnahme der Fahrzeitverkürzungfragwürdige Vorfestlegung, Alternativen nicht geprüft, Abstimmung mit SPNV nicht erfolgt
16Löhne -RheineZielfahrzeit von 61 Minuten (nonstop) zwischen Hannover und Osnabrück für beschleunigte Linie zur Optimierung der Knoteneinbin- dung, Fahrzeitkürzung von 3 Minuten gegenüber Fahrplan 2021Geschwindigkeitserhöhung Löhne - Osnabrück auf bis zu 160 km/h und Weichen für höhere Geschwindigkeiten in LöhneFern- und Güterverkehr189,73 Min.Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h kann derzeit nicht ausgefahren werdensinnvoll, aber mangelhaft durchdacht
18Hamm -Bielefeld -HannoverMaßnahmenliste Halbstundentakt DB Netz AG 2026: Minimierung Verspätungsübertragungsrisiko aufgrund Mengenwachstum SPFV (Etappierungsmaßnahme)Bau eines zusätzlichen Außenbahnsteigs in Minden an Gleis 14 für die wendende Express-Linie (heutiger RE6)Fern- und Güterverkehr5,9RRX enden auf Gleis 13, S-Bahn-Bereitstellung Gleis 12 erfordert ICE-Durchfahrt über Seitengleis 13schlecht durchdacht: Bahnsteigwechsel zum S-Bahn-Anschluss wird erforderlich
134Nienburg -MindenKapazitätsausweitung aufgrund SGV-PrognoseAusbau Bahnhof Leese RWG zum KreuzungsbahnhofFern- und Güterverkehr14,7SPNV-Kreuzung blockiert Strecke für GüterzügeDer Streckenzustand (80 km/h, unbeschrankte Bahnübergänge) erfodert weitergehende Ertüchtigung
160Nienburg -MindenKapazitätsausweitung aufgrund SGV-PrognoseNienburg: Überwerfung für die Relation Minden -> VerdenFern- und Güterverkehr62,7Überlastung Bremen - Hannover erfordert jede mögliche Verbesserungsinnnvoll, sollte aber auch für SPNV nutzbar sein
140Hamm - Hannoverzusätzliche Überholmöglichkeit für SPFV mit höherer Durchfahrtsgeschwindigkeitzusätzlicher Bahnsteig Gleis 4 im Bahnhof HasteFern- und Güterverkehr2,2Kurzfristmaßnahme für Zwischenzuständeweite Wege zum S-Bahn-.Anschluss, Alternativen nicht durchdacht
139Hamm - Hannoverniveaufreie Fahrmöglichkeit der S-Bahnen Richtung Hannover zur Vermeidung von Konflikten mit restlichem SPV, Kapazitätssteigerung bzw. EngpassauflösungWunstorf - Hannover: Überwerfungsbauwerk SeelzeNahverkehr165,3dauerhaft notwendige Maßnahmesinnvoll, aber Zuordnung zum Nahverkehr nicht akzeptabel
144Knoten HannoverHerstellung einer attraktiven Fahrzeit zwischen Hamburg und NRW durch Verbinden der ABS/NBS Hamm - Bielefeld - Hannover und ABS/NBS Hannover - Hamburgeingleisige Verbindungskurve Hannover-Burg von Strecke Bielefeld - Hannover (niveaugleiche Ausfädelung) zur Strecke Hannover - Hamburg (niveaufreie mittige Einbindung)Fern- und Güterverkehr209,111 Min.schnellste Verbundung NRW - Hamburgsinnvoll, aber Tauglichkeit für Güterverkehr nicht akzeptabel, Alternativen nicht geprüft+
40Knoten HannoverVerkürzung der Umsteigezeiten in Hannover Hbf von 8 auf 7 Minutenzusätzliche Personenunterführung Hannover HbfFern- und Güterverkehr6,6Derzeitiger Zustand kann Spitzenlast nicht bewältigensinnvoll
AbschnittHannover - Wolfsburg / Braunschweig
Aus dem Deutschlandtakt gestrichenLehrte - WolfsburgErreichung der Fahrzeit gemäß Zielfahrplan, Kapazitätserweiterung für Überholung SPFV/SPNV
Lehrte - Fallersleben Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h auf 230k km/h 3 Min.Maßnahme ist Bedingung für den Zielfahrplan, dieser wurde nicht korrigiertMehr erfahren Sie hier.
170Knoten HannoverKapazitätsausweitung aufgrund SGV-Prognose, Entmischung des Güterverkehrs und der S-BahnLehrte West - Lehrte Nord: ÜberwerfungFern- und Güterverkehr109,4derzeit kreuzt Nord-Süd-Güterverkehr den Ost-West-Personenverkehrsinnvoll
171Knoten HannoverKapazitätsausweitung aufgrund SGV-Prognose, Entmischung der Güterverkehrsströme Celle - Hildesheim und Lehrte - BraunschweigOstkopf Lehrte: zusätzliche Gleisachsen und WeichenFern- und Güterverkehr27,4sinnvoll
127Hannover - Lehrte - BraunschweigKapazitätsausweitung aufgrund Ausweitung Mengengerüst SGV und SPV, Entflechtung der VerkehreÜberwerfung Groß Gleidingen von Beddingen in Richtung Lehrte im OstkopfFern- und Güterverkehr44,7derzeitige Verknüpfung wenig leistungsfähigsinnvoll
AbschnittWolfsburg - Berlin
52Wolfsburg -Stendal - BerlinFahrzeitkürzung um rund 10 Minuten ggü. Fahrplan 2021 bzw. Anschlussherstellung in der Relation Berlin - NRWAusbau für Vmax=300 km/h (280 bis 300 km/h von Oebisfelde bis Bamme mit 2 Einbrüchen bei Staffelde und Rathenow, Ribbeck -Bamme mit 250 oder 300 km/h, Ribbeck - Wustermark mit 280 km/h)Fern- und Güterverkehr946,07 Min.Kernmaßnahmesinnvoll
124Wolfsburg -StendalKapazitätsausweitung aufgrund SGV-PrognoseÜberholgleis in Oebisfelde für den Güterverkehr für Ost-West-RichtungFern- und Güterverkehr12,3sinnvoll
41Wolfsburg -Stendal - BerlinGeänderte Knoteneinbindung des SPNV im Knoten Stendal zur Anschlussaufnahme von geänderter Fahrlage des FernverkehrsZweigleisigkeit Uchtspringe - Vinzelberg - Abzw. Nahrstedt inkl. Bahnhofsausbauten mit schienenfreien Zugängen sowie Neuerstellung der AußenbahnsteigeNahverkehr81,5Ausbau der Lehrter Stammbahn für den Güterverkehrsinnvoll
47Wolfsburg -Stendal - BerlinKapazitätssteigerung und Engpassauflösung im Hinblick auf den SGVparallele Fahrmöglichkeit am Abzw. Nahrstedt von der Schnellfahrstrecke Richtung Stendal und von Stendal in Richtung GardelegenFern- und Güterverkehr14,4Ausbau der Lehrter Stammbahn für den Güterverkehrsinnvoll
165Berlin - LehrteKapazitätsausweitung aufgrund SGV-PrognoseÜberholgleis RathenowFern- und Güterverkehr22,4Ausbau der Lehrter Stammbahn für den Güterverkehrsinnvoll
164Berlin - LehrteKapazitätsausweitung aufgrund SGV-PrognoseWeichenverbindungen Wustermark zur KapazitätssteigerungFern- und Güterverkehr7,7Ausbau der Lehrter Stammbahn für den Güterverkehrsinnvoll
73Knoten BerlinKapazitätssteigerung Berlin-Spandau im hochbelasteten Abschnitt, damit parallele Einfahrten/Ausfahrten von/nach verschiedenen Gleisen möglich sind, streckenreine LinienführungUmbau Westkopf Berlin-Spandau zur viergleisigen Einbindung der Hamburger Bahn, Zweigleisiger Ausbau der Strecke 6179 zwischen Nennhauser Damm und Berlin-Spandau, zusätzlicher Bahnsteig mit zwei Bahnsteigkanten an der Güterstrecke bzw. den beiden südlichen GleisenFern- und Güterverkehr153,3Bahnhof Berlin-Spandau ist Engpasssinnvoll

Erläuterung zum Inhalt:
Laufende Nummer ist die laufende Nummer der Maßnahme im Original.
Die Spalte Strecke / Knoten enthält die teils ungenaue Angabe aus der Originalliste.
Verkehrliches Ziel laut Zielfahrplan und Beschreibung der Maßnahme geben Daten aus der Originalliste wieder.
Finanzierung betrifft übersetzt eine Angabe aus der Liste, aus der sich ergibt, ob die Finanzierung durch den Bund der über die Bundesländer erfolgen soll.
Kosten [Mio. €] ist das Ergebnis der Kostenschätzung durch die Bundesregierung (nicht durch die Deutsche Bahn!).
Die Fahrzeit-Verkürzung ist dem Zielfahrplan zum Deutschlandtakt, 3. Entwurf, entnommen.
Die Erläuterung ist vom Autor dieser Seite hinzugefügt.
Der Kommentar ist eine erste kurze Einschätzung der Maßnahme.

Haben Sie Fragen, die hier nicht beantwortet werden?
Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.

Kommentar zur Maßnahmenliste

Kritische Anmerkungen zur Maßnahmenliste

Systemfehler im Deutschlandtakt bestätigt

Die Maßnahmenliste bestätigt die gerügten Systemfehler im Deutschlandtakt:
* Mangelhafte Dokumentation der betrieblichen Ausgestaltung,
* Mangelhafte Prüfung oder Zulassung von Alternativen,
* Mangelhafte Abstimmung mit den Bedürfnissen des Nahverkehrs,
* Einseitige Überbetonung der Beschleunigung,
* Gefahr neuer Engpässe.
Seit Mitte September liegt auch der Abschlussbericht zum Deutschlandtakt-Gutachten in einer Entwurfsfassung vor. Auch dieser Abschlussbericht klärt nur einen kleinen Teil der zu stellenden Fragen.

Dennoch bleibt der Deutschlandtakt und das gesamte Gutachten richtig.

Bürgerinitiativen wollen aus dieser Kritik herauslesen, dass insbesondere die Neubaustrecke Hannover – Bielefeld falsch konzipiert und das Deutschkontakt-Gutachten insgesamt unzutreffend sei. Diese Deutung ist unzutreffend. Das Gutachten entspricht insgesamt dem Stande der Technik und Wissenschaft. Doch kein Gutachten ist so gut, dass es nicht noch besser sein könnte.
So trifft der Vorwurf überzogener Betonung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs die Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit von 250 auf 280 km/h im Abschnitt Hannover – Würzburg oder den Bau eines weiteren Tunnels im Vorfeld von Stuttgart oder den Umbau der Verbindungsbahn Hamburg. Hier sind andere Lösungen denkbar.

Abschnitt Dortmund – Hamm

Hier wird der Deutschlandtakt an sich konsequent umgesetzt. Ein drittes Gleis für den Regionalverkehr ist aber möglicherweise nicht ausreichend, um eine Verdichtung über einen Halbstundentakt hinaus zuzulassen. Insbesondere wird derzeit diskutiert, ob Bergkamen nach Kamen angebunden werden soll. Ein durchgehendes Zugangebot würde ein viertes Gleis Dortmund – Kamen benötigen. Ein Hinweis darauf ist in den Zielfahrplan NRW 2040 eingefügt.

Abschnitt Hamm – Bielefeld

Hier wird – alternativlos – vorgeschlagen, die Personengleise für 300 km/h und die sog, Gütergleise für 160 km/h auszubauen. Das heißt: Es müssen beide Gleispaare angefasst werden. Stattdessen kommt in Betracht, die Überwerfungen in Ahlen und Isselhorst zu planieren und dazwischen die Gütergleise für 300 km/h auszubauen und die sog. Personengleise mit den Bahnsteigen für den Regionalverkehr unangetastet zu lassen. Mehr lesen Sie hier.

Knoten Bielefeld

Aus dem Entwurf des Abschlussberichts ist ersichtlich, dass die Zugfolge zwischen Brackwede und Herford signaltechnisch auf 3 Minuten herabgesetzt werden soll.
Zum Knoten Bielefeld von Brackwede bis Herford wird so davon ausgegangen, dass die Kapazität für den Güter- und Regionalverkehr auf den sog. Gütergleisen ausreichen. Dem ist zu widersprechen, die Gestaltung ist nicht zukunftsfähig:
Die Maßnahmenliste sieht für den Umbau des Bahnhofs Bielefeld sieht die Beseitigung des Gleises 5 und den Bau eines Bahnsteigs zwischen den Gleisen 6 und 7 vor, an dem zwei Regionalzüge hintereinander an der gleichen Bahnsteigkante halten sollen.: Lange Sperrzeiten an einem solchen Bahnsteig zwischen den Gleisen 6 und 7 durch zwei hinter einander haltendte Nahverkehrszügen werden einen Flaschenhals bilden.

Abschnitt Bielefeld – Hannover

Hier werden die Vorfestlegungen wiederholt, dass die Neubaustrecke 31 Minuten Fahrzeit von Bielefeld bis Hannover bringen muss und dass die Neubaustrecke durch Stadthagen führen muss, um die Fahrzeitverkürzung in Richtung Osnabrück zu realisieren. Daneben soll zwar die Strecke Minden – Nienburg für etwas mehr Kapazität im Güterverkehr ausgebaut, gleichzeitig aber die Kurve im Stadtgebiet Hannover tauglich für den Güterverkehr geplant werden. Das ist nicht sinnvoll. Mehr lesen Sie hier.
Eine „Neue Schweichelner Kurve“ für die Strecke Herford – Kirchlengern ist nicht konsequent durchdacht. Wenn – wie bisher vorgesehen – die Fernverkehrszüge schon zwischen Bielefeld und Herford auf eine Neubaustrecke wechseln sollen, ist es sinnvoller, die bestehende Schweichelner Kurve für den Verkehr zu nutzten, statt die stark belasteten „Gütergleise“ auch noch mit diesem Verkehr zu belasten.
Der Umbau der Bahnhöfe Minden und Haste führt zu langen Umsteigewegen. Ein neuer Fahrgasttunnel in Hannover ist zwar sinnvoll, verkürzt die Umsteigezeit aber nur auf 7 Minuten.

Abschnitt Hannover – Wolfsburg / Braunschweig

Der Abschnitt Hannover – Wolfsburg soll nicht ausgebaut werden. Das ergibt sich aus dem Entwurf des Abschlussberichts.
Mehr erfahren Sie hier.

Abschnitt Wolfsburg – Berlin

Hier sind die Maßnahmen korrekt und sinnvoll gestaltet.

 

Antworten zum Zielfahrplan

Teilnehmer des Bürgerdialogs zur Neubaustrecke Bielefeldn – Hannover haben zahlreiche Fragen gestellt. Diese Fragen wurden im Rahmen des Workshops am 19.4.2021 nur unzulänglich beantwortet. Die Initiative Deutschlandtakt antwortet hier. Dabei kann auf umfassende Kenntnisse aus der Entwicklung des Deutschlandtakts und auf umfassende Informationen des für die SNMA tätig gewordenen Gutachters Philipp Schröder zurückgegriffen werden.

Fragen zu Grundlagen des Zielfahrplans

Ist es vertretbar, dass zur Umsetzung des Zielfahrplans 5 Milliarden Euro für den Neubau einer Strecke mit 31 Minuten auszugeben, die jedoch viele Anschlusszüge knapp verfehlt (Hannover – Bielefeld)?

Eine große Investitionssumme ist schon deshalb erforderlich, weil zwischen Minden und Wunstorf nur zwei Gleise vorhanden sind, aber vier Gleise benötigt werden. Dies würde schätzungsweise 2 bis 3 Milliarden Euro kosten. Eine Fahrzeitverkürzung wäre damit nicht verbunden.
Daher ist diese Summe vorab abzuziehen, um den Kostenaufwand für eine Fahrzeitverkürzung zu errechnen.
Nur die Differenz von 2 bis 3 Mrd. Euro ist der Fahrzeitverkürzung zuzurechnen. Bei einer Fahrzeit von 31 Minuten liegt der Aufwand je Minute in einer Größenordnung von150 Mio. Euro je Minute und damit bei einem günstigen Wert.
Eine tiefergehende Analyse ergibt, dass in Hannover und Bielefeld nach dem Zielfahrplan zwar Anschlüsse versäumt werden, diese stellen sich mit einer Aufnahme aber nicht als systemrelevant heraus. Die systemrelevante Ausnahme ist der Fehlanschluss Bielefeld – München. Sie ist unvermeidbar, da andere Knotenbindungen (Hamm, Magdeburg, Berlin, Würzburg, Nürnberg) im System weitaus größere Bedeutung haben. Die vorgenannten anderen Knoten werden zerstört, wenn versucht wird, den Anschluss Bielefeld – München herzustellen.

Sind die 31 Minuten zwischen Hannover – Bielefeld in Stein gemeißelt?

Politisch ist diese Frage mit „Ja“ zu beantworten – aus fachlicher Sicht mit „Nein“.
SMA hat aufgrund einer groben geografischen Übersicht und Erfahrungswerten die Fahrzeit als machbar eingestuft. Diese Einstufungen sind in der Regel realistisch. Eine ökologische Prüfung hat aber nicht stattgefunden, sie wird erst im Rahmen des laufenden Planungsverfahrens erfolgen.
Der Gutachter Philipp Schröder, SMA, hält eine Abweichung von maximal 1 bis 2 Minuten für mit dem Zielfahrplan vereinbar. Diese Aussage ist aber fragwürdig, da Fahrpläne und weitere Ausbaumaßnahmen minutengenau errechnet wurden und daher schon die Abweichung von 1 bis 2 Minuten eine Neuberechnung des Zielfahrplans erfordert.
Tatsächlich ist aber eine Abweichung von bis zu 5 Minuten ohne größeren Substanzverlust im Deutschlandtakt möglich. Dabei ist zugrunde zu legen:
* Der Knoten Hamm und der Fahrplan westlich davon sind beizubehalten.
* Anschlussverluste in Hannover sind akzeptabel, es entstehen neue Verbindungen mit kompensierenden Effekten.
* Der Anschluss Hamm – Magdeburg ist mit geringen Investitionen und ggf. Aufgabe des Zwischenhalts Helmstedt herstellbar. Die Kosten hierfür sind moderat und beherrschbar.
* Durch Ausbau Hannover – Wolfsburg und durch Veränderung der Haltepolitik kann die Fahrzeit um 5 Minuten gekürzt werden, sodass in Berlin keine relevanten Anschlüsse verloren gehen.
Die Frage, ob darüber nachgedacht werden muss, stellt sich erst, wenn die zur Verfügung stehenden Trassen im Rahmen des laufenden Planungsverfahrens vorliegen.
Fahrzeitverlängerungen von mehr als 5 Minuten sind in Richtung Berlin nicht mehr kompensierbar, in Richtung Magdeburg mit exponentiell wachsenden Kosten verbunden.
Fahrzeitverlängerungen von mehr als 10 Minuten führen darüber hinaus zu gravierenden Anschlussverlusten in Hannover.

Warum weichen die Knoten und Kantenfahrzeiten von der (mathematischen) Idealumsetzung eines Taktfahrplans ab und welche Gründe rechtfertigen diese Abweichungen?

Weil der Zielfahrplan auf einem gewachsenen Netz beruht, sind bereits zwingende Vorgaben entstanden, die nicht mehr wirtschaftlich sinnvoll geändert werden können.
Konkret für die Verbindung Rhein/Ruhr – Berlin bedeutet das:
• Auf der hoch belasteten Achse Dortmund – Köln ist die Planung für eine hocheffiziente Nutzung durch den Rhein-Ruhr-Express und den Fernverkehr bereits abgeschlossen, der Bau hat begonnen. Daraus ergibt sich eine festliegende Taktlage für den Grundtakt von Dortmund nach Berlin.
• Die Knoten Hagen mit Anschlüssen in das Siegerland und Münster mit Anschlüssen in das gesamte Münsterland sind aus der geografischen Situation entwickelt worden. Auf diese Knoten ist das Nahverkehrsnetz weiträumig auch baulich optimiert worden.
• Aus beiden Voraussetzungen ergibt sich die im Zielfahrplan eingetragene Ankunfts- und Abfahrtszeit für Hamm.
• Die Niederlande haben eine Langfristplanung, die Ausgangspunkt für grenzüberschreitende Verbindungen und Anschlüsse ist, unter anderem Amsterdam – Duisburg mit Anschluss nach Berlin und Amsterdam – Osnabrück.
• Der Knoten Bielefeld errechnet sich aufgrund der vorgenannten Bedingungen zwei Minuten vor der integralen Taktzeit aufgrund der Fahrzeit Hamm – Bielefeld mit 300 km/h.
• Die Fahrzeit Bielefeld – Hannover ergibt sich aus der technisch-wirtschaftlichen Obergrenze von 300 km/h Höchstgeschwindigkeit. Mithin lässt die Abfahrtszeit in Hamm keine frühere Ankunftszeit in Hannover als Minute 30 zu.
• Die Fahrzeit Hannover – Wolfsburg ist auf 29 Minuten gesetzt worden, weil ein Ausbau nur für 230 km/h angesetzt wurde. Das ist eine politische Entscheidung.
• Wird auf dieser Basis der Zwischenhalt in Wolfsburg einbezogen, so ergibt sich wiederum aufgrund der Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h und der Entscheidung, in Spandau zu halten, die Ankunftszeit für Berlin Hbf. Erst zur Minute 0, in der um eine halbe Stunde versetzten Fahrt schon zur Minute 26.

In Begründung einer NBS Hannover-Bielefeld wird eine Zielfahrzeit von 31 min genannt, die von den geplanten Linien FV10 und FV47 erreicht werden, jedoch nicht von der Linie FV19.b, obwohl hier 300 km/h-Fahrzeuge vorgesehen sind – was sind die Gründe?

Die Linie 19b ist eine Fernverkehrslinie aus Belgien / Frankreich und entspricht dem derzeitigen Wunsch des Unternehmens „Thalys“ nach einer Durchbindung nach Berlin. Dieser Wunsch ist nachträglich in die Fahrpläne integriert worden, um zu zeigen, dass eine solche Durchbindung möglich ist. Dabei wurden aber die bereits eingearbeiteten anderen Fern- und Nahverkehrslinien nicht mehr angetastet, sodass die Linie 19b nur noch „Rest-Slots“ erhalten hat. Da Frankreich und Belgien keine Langfristplanung haben, ist die Fahrplanlage als spekulativ anzusehen und als Planungsgrundlage für Infrastruktur nicht relevant.

Die Linie FV92 hat im Abschnitt Berlin-Hamm im direkten Vergleich zur FV19.b den gleichen Laufweg, trotzdem unterschiedliche zugrunde liegende Höchstgeschwindigkeiten (300 zu 230 km/h) – nach welchen Kriterien erfolgte die Konstruktion dieser Linien?

Diese Linie zielt auf die Verwendung durch Anbieter im Lowcost-Bereich wie Flixtrain. Auch insoweit sind weitgehend „Rest-Slots“ verwendet worden.

Unter welchen Vorgaben wurde der D’Takt-Zielfahrplan2030+ berechnet?

Unseres Wissens sind die Vorgaben im Rahmen des Entwicklungsprozesses ständig weiterentwickelt worden. Ziele – aber nicht „Vorgaben“ sind die Erweiterung der Infrastruktur vor allem in Engpassbereichen und das Ziel der Erreichung eines möglichst gut funktionierenden Takt- und Knotensystems unter Einschluss des Güterverkehrs.

Welche Optimierungsregeln wurden angewandt?

Daneben gab es keine „Optimierungsregeln“. Die Optimierung ergab sich aus erkennbaren Sachzwängen und aus politischen Wünschen von Beteiligten des Prozesses.

Wurden weitere Lösungen gefunden und wenn ja, wie schnitten diese im Vergleich ab (mit entsprechenden Kennzahlen)?

Es gibt keinen zweiten „Zielfahrplan“, der verworfen wurde.
Allerdings wurde bereits 2016/17 ein „Zielfahrplan 2030“ erstellt, der die Projekte des Bundesverkehrswegeplans 2030 von 2016 fahrplantechnisch lesbar machte und zum Ergebnis hatte, dass mit diesen Projekten keine akzeptable Netzwirkung zustande kommt.

Setzt sich die Arbeitsgruppe Deutschlandtakt nur aus vom BMVI benannten Lobbyisten und Wirtschaftsvertretern zusammen – oder sind unabhängige Experten Teil dieses Gremiums?

Es hat immer ein begleitendes Gremium gegeben, das vom BMVI berufen wurde. Der Kreis der Teilnehmer ist mit dem ersten Entwurf des Zielfahrplans unter dem Titel „Zukunftsbündnis Schiene“ publiziert worden. Darin sind auch unabhängige Organisationen wie Pro Bahn und VCD beteiligt. Daneben sind aber auch Landesregierungen und Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs in vielen Gesprächsrunden konsultiert worden.

Ist die Berechnung des Zielfahrplans erfolgt mit Parametern an der Grenze des technisch machbaren (technisch maximal mögliche Durchschnittsgeschwindigkeit eines auf dem Markt befindlichen ICE, technisch maximal belastbare Ingenieursleistung beim Aus- und Neubau der Infrastruktur)?
Oder ist die Berechnung des Zielfahrplans erfolgt mit Parametern des wirtschaftlich Sinnvollen (tatsächlicher Fahrzeugbestand und dessen Lebensdauer der Eisenbahnunternehmen, Steuereinnahmen des Bundes bzw. Investitionskapazitäten von Eisenbahnunternehmen für Aus- und Neubauerfordernisse der Infrastruktur)
Ist es zielfahrplantechnisch erforderlich, die Berechnungsparameter statt am technischen Maximum besser am wirtschaftlich und ökologisch Sinnvollen auszurichten? Welche Berechnungsparameter gehören Ihrer Meinung nach in einen wirtschaftlich und ökologisch sinnvollen Zielfahrplan?

Aus Begleitunterlagen und dem Abschlussbericht (31.8.2021) und anderen Aussagen ergibt sich, dass SMA für die Fahrzeitberechnung die bekannten Parameter der von der DB verwendeten ICE-Baureihen verwendet hat, insbesondere ICE-3 für 300 km/h schnelle Züge. Technisch wurden keine anderen Parameter verwendet als in den letzten 20 Jahren zu vielen anderen Gutachteraufträgen. Es ist nicht davon auszugehen, dass hier politische Einflüsse wirksam sind oder an die äußersten technischen Grenzen gegangen worden ist.
Der Aus- und Neubau wird nicht von den Verkehrsunternehmen, sondern vom Bund finanziert. Dafür gelten relativ grobe Parameter, die nicht von konkreten Fahrzeugen abhängen. Es ist dann Sache der Verkehrsunternehmen, die Fahrzeuge so zu beschaffen, dass die vorgesehenen Fahrzeiten erreicht werden. Bei Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Bielefeld – Hannover gelten europäische Normen, die eine Interoperabilität sichern sollen, also einen freizügigen Einsatz quer durch Europa. Die Bahnstrecke Köln – Frankfurt ist noch vor Inkrafttreten dieser Normen gebaut worden und erfordert daher spezielle Fahrzeuge.
Ökologisch wird der Einsatz von 300 km/h schnellen Fernverkehrszügen kritisiert. Tatsächlich beschleunigen diese Züge aber den Verkehr zwischen Hamm und Berlin um insgesamt 30 Minuten und ergeben in der Abstimmung mit dem Nahverkehr und den Anschlüssen ein besseres Ergebnis als der Einsatz von 250 km/h schnellen Fahrzeugen.

Sind in dem Zielfahrplan Reaktivierungen von stillgelegten Bahntrassen eingerechnet? Und nimmt das Einfluss auf die Berechnung von neuen Trassen?

Wenn die SPNV-Aufgabenträger diese angemeldet haben, wurden Reaktivierungen berücksichtigt. Ein Einfluss auf neue Trassen ist aber nicht gegeben.

Wie können technische Vorschläge von Doppelknoten Hannover und anderen Verbindungsmöglichkeiten in Bielefeld berücksichtigt werden?

Der Knoten Bielefeld verträgt aufgrund der Struktur der Anschlussstrecken eine Abweichung von mehreren Minuten zum Idealwert. Dass der Fernverkehr den Taktknoten fast genau erreicht, ist ein Folgeprodukt des Knotens Hamm, der wiederum am Knoten Münster hängt. Von „Fachleuten“, die sich in den Betriebs- und Anschlussverhältnissen nicht exakt auskennen, wird Bielefeld als Taktknoten weit übergewertet.
Der Doppelknoten Hannover genauso wie die „Windmühle“ ist ein Werbegag und ein Folgeprodukt aus anderen Knoten, die eine viel höhere Bindungswirkung benötigen. Der Umsteigewert Ost-West nach Nord-Süd ist denkbar gering, da tangentiale Verbindungen die meisten Beziehungen besser abdecken.
Das ist ja der Grund, warum eine Aussage wie „Der Knoten 0/30 ist gesetzt“ von oberflächlicher Betrachtung zeugt. Nur: Politiker leben von Oberflächlichkeit und verteidigen sie gegen Fachleute.

In Hannover sollen zur Knotenzeit 00/30, aber auch zu anderen unregelmäßigen Zeiten, Züge aus verschiedenen Richtungen bedient werden. Hat der Bahnhof Hannover für die Vielzahl der sich kreuzenden Linien hat der Bahnhof zu wenig Gleise? Ist es zielfahrplantechnisch sinnvoll, einen besonders bedeutsamen Knotenbahnhof, z. B. Hannover, mit seinen baulichen Gegebenheiten zu berechnen?

Für Bahnhöfe mit kritischer Gleisstruktur ist das tatsächlich durchgeführt worden. Für Hannover dürfte das aufgrund der sehr einfachen Gleisstruktur nicht nötig gewesen sein. Hannover besteht aus 4 Gleisgruppen, die völlig unabhängig voneinander funktionieren:

 

Der Gleisplan für die Fernverkehrsstrecken durch Hannover Hauptbahnhof entspricht einer optimalen Gestaltung. Ohne gegenseitige Abhängigkeiten kann der Verkehr Nord-Süd und Ost-West geführt werden.
Nord-Süd Gleis 3-5, Süd-Nord Gleis 6-8, West-Ost Gleis 9/10, Ost-West Gleis 11/12.
Nur ein einzige Zug in 2 Stunden wechselt diese Gleisgruppen: der ICE München – Bremen von West nach Süd.
Für jedes Ferngleis stehen 2 oder mehr Bahnsteigkanten zur Verfügung, sodass eine Zugfolge von 3 Minuten realisiert werden kann, die theoretische Leistungsfähigkeit von Hannover Hauptbahnhof liegt bei 80 Zügen je Stunde – ohne S-Bahn. Die S-Bahnen fahren auf eigenen, unabhängigen Zulaufstrecken zu denS-Bahn Gleisn 1/2 und 13/14.
Für den Güterverkehr steht eine unabhängige Umfahrung zur Verfügung. Die Zusammenführung der Strecken Ost-West östlich von Hannover in Lehrte ist bereits kreuzungsfrei optimiert. Im Westen ist Wunstorf der letzte Konfliktpunkt, in dem – nur der Personenverkehr! – eine nicht kreuzungsfreie Verknüpfung der Strecken nach Bielefeld und Bremen aufweist, diese würde durch die kreuzungsfreie Ausfädelung der Neubaustrecke bei Seelze entscheidend entlastet.
Hannover wäre nur dann überlastet, wenn man einen Knoten nach Züricher Vorbild machen würde, da lange Standzeiten in einem solchen Knoten den Bedarf an Gleisen erhöht – deswegen wurde in Zürich der Tunnel Löwenstraße gebaut. Da Hannover mitten in Deutschland liegt, dürfen durchgehende Züge keine lange Standzeit haben.

Welche Berücksichtigung finden bei der Zielfahrplanberechnung örtliche Gegebenheiten z. B. Des Bahnhofs Hannover? Sind bei der Berechnung des Zielfahrplans Daten zur Anzahl der Gleise, der Bahnsteige, der Wegstrecken von nicht direkt nebeneinander liegenden Bahnsteigen berücksichtigt worden?

Die vorhandene Gleisstruktur und die Bahnsteigstruktur sind zugrunde gelegt. Der Änderungsbedarf für den Zielfahrplan ist konkret ermittelt worden. Insbesondere wird für Hannover eine zusätzliche Unterführung gefordert. Die Umsteigezeiten entsprechen der bewährten Praxis im aktuellen DB-Fahrplan. Für andere Bahnhöfe wurde Bedarf für den Bau neuer Bahnsteige identifiziert.

Sind Pufferzeiten berücksictigt?

Ja. Der Zielfahrplan ist auf der Grundlage der Vorgaben der DB berechnet, die allgemein für die Fahrplankonstruktion gelten.

Ist es zielfahrplantechnisch erforderlich, dass besonders bedeutsame Knotenbahnhöfe, z. B. Hannover, den Idealparametern eines Integralen Taktfahrplans folgen?

Gerade nicht. Je kleiner die Bahnhöfe, umso seltener die Verbindungen angeboten werden, umso wichtiger wird der Knoten. Je größer der Bahnhof, umso größer ist der Anteil der Fahrgäste, der in die Stadt wollen oder aus der Stadt kommen. Dort ist ein gesicherter Anschluss nur eingünstiger Nebeneffekt.

Werden realistische Gegebenheiten berücksichtigt, z. B.
+ die Weitläufigkeit des Bahnhofs Hannover,
+ Umsteigezeiten zu Stoßzeiten,
+ bauliche Besonderheiten (treppauf-treppab beim Bahnsteigwechsel),
+ Umsteigezeiten bei Parallel-Bahnsteigen ungleich Weitweg-Bahnsteigen,
+ Verspätungen infolge neuer Wetterphänomene,
+ Störungen durch Baumaßnahmen zur Abarbeitung des Instandhaltungstaus?
Sind Umsteigezeiten zur Rushhour/zu Stoßzeiten berücksichtigt?

Ja. Im Nachgang des 3. Entwurf des Zielfahrplans werden die großen Bahnhöfe auf ihre Leistungsfähigkeit weiter untersuht und die Optimierung vorbereitet.

Welche Pufferzeiten oder Zuschlagszeiten sind bei der Berechnung des Zielfahrplans konkret beim Knotenbahnhof Hannover angesetzt worden (Minuten)?

Die Fahrpläne der DB werden sekundengenau berechnet. Der Fahrgast sieht nur gerundete Zahlen. Daher hat SMA abweichend von dem Bild, das die Fahrgäste heute sehen, für Fernzüge generell 3 Minuten Haltezeit angesetzt. Weitere besondere Zuschlangszeiten sind nicht gegeben.

Sind Verspätungen infolge von permanenten erforderlichen Baumaßnahmen am Netz, für Verspätungen infolge neuer, wissenschaftlich belegter Wetterphänomene berücksichtigt?

Solche Ereignisse finden generell keine besondere Berücksichtigung. Eine Berücksichtigung würde dazu führen, dass die meisten Züge an den meisten Tagen viel zu früh am Ziel sind.

Wie wurden die realistischen Möglichkeiten bei der Berechnung eines Zielfahrplans berücksichtigt?
+ beim Bau (Liegt SMA dafür geeignete Raumdaten zur Verfügung? Gibt es Extra-Pufferzeiten für Raumwiderstandsproblemzonen?

Diese Arbeit zu leisten, ist Aufgabe des Planungsverfahrens. Aus guten Gründen legen sich die Fachplaner der DB nicht daruf fest, dass sie die Fahrzeit von 31 Minuten erreichen können. Für sie ist es ein Ziel, aber keine Vorgabe. Das Ziel wird aber bei der Bewertung der Trassen eine erhebliche Rolle spielen.

Wie wurden die realistischen Möglichkeiten bei der Berechnung eines Zielfahrplans berücksichtigt?
+ bei der Finanzierung (Werden Kosten-Nutzen abgewogen? Werden Kostenüberschläge gemacht, um technisch machbare, aber utopisch teure Trassen auszuschließen oder zumindest zu markieren?

Wirtschaftlichkeitsberechnungen werden zu allen Projekten durchgeführt. Die Kostenschätzung wird auch schon bei der Bewertung der Trassenvarianten eine erhebliche Rolle spielen.

Wie wurden die realistischen Möglichkeiten bei der Berechnung eines Zielfahrplans berücksichtigt?
+ Anzahl der Gleise und die Begrenzung von Ausbaumöglichkeiten in Bahnhöfen?

Es ist eine zentrale Aufgabe bei der Erstellung des Zielfahrplans, anhand des Betriebsprogramms solche Engpässe festzustellen und Baumaßnahmen vorzusehen.

Die Ankunfts- und Abfahrtzeiten sind zum Teil so eng gestrickt, dass z.B. immer zur halben Stunde der ICE-Anschluss von Bielefeld nach Göttingen-München genau verpasst wird (Ankunft: 8:30, Abfahrt 8:31) Ist es zielfahrplantechnisch vertretbar, dass in Hannover zur halben Stunde der ICE-Anschluss von Bielefeld nach Göttingen-München genau verpasst wird (Ankunft 8:30, Abfahrt 8:31)?

Die Ursache sind die Knoten Hamm bzw. Würzburg. Von dort laufen die Züge aufgrund optimierter Fahrzeiten zufällig so ungünstig in Hannover zusammen. Daher kann das nicht geändert werden. Das Argument kehrt sich um: WEIL dieser Missstand nicht behoben werden kann, gibt es keinen ausreichenden Grund, warum die Fahrzeit Bielefeld -. Hannover genau 31 Minuten betragen „muss“.

Ist es zielfahrplantechnisch vertretbar, dass von einem bedeutsamen Knotenbahnhof wie Hannover die Züge Richtung Bielefeld mit einer fest eingerechneten Überdehnung der ITF-Kantenzeit fahren sollen?

Es ist notwendig, weil die Geografie eine kürzere Fahrzeit ausschließt.

Ist es für die Berechnung des Zielfahrplans maßgeblich, dass eine Hochgeschwindigkeitstrasse nachts mit Güterzügen und Nachtzügen befahren werden soll?

Nein. Für den Zielfahrplan ist das unerheblich. Diese Frage spielt bei der Berechnung der Kosten und des Nutzens eine Rolle.

 

Fragen zum Schweizer Taktfahrplan

Wie ist es politisch vertreten, dass in der Schweiz wichtige Knoten wie ein Uhrwerk geplant werden, aber z.B. Hannover als einer der wichtigsten Bahnhöfe von vornherein so ITF-ungenau geplant wird?

Zunächst trifft der Eindruck über die Schweiz so nicht zu. Die Schweiz – längste Ausdehnung vergleichbar mit Bielefeld – Berlin – wurde von den zwei Knoten Zürich und Bern aus geplant, alle weiteren Knoten wurden von da aus optimiert, allerdings auf der Basis eines Geschwindigkeitsniveaus, das guten deutschen Regionalnetzen entspricht. Ehrgeizige Ziele wie Bern – Lausanne in 1 Stunde wurden aufgegeben. Es gibt auch in der Schweiz Knoten, die genauso suboptimal aussehen wie Hannover, befinden sich aber in Randlage (Genf, St. Gallen).
Deutschland ist weitaus größer, und die heutige Planung der Achse Hamm – Berlin befindet sich mit 300 km/h an einem technisch-wirtschaftlichen Limit, muss aber mit Fluglinien konkurrieren, die in der Schweiz alle weit ins Ausland führen würden.
Der Knoten Hannover ist in vieler Hinsicht das Ergebnis der Zusammenführung von Linien aus optimalen Knoten: Im Uhrzeigersinn: Soltau /(70), Uelzen (60), Hamburg (60), Gifhorn (40), Berlin (90), Magdeburg (90), Goslar (70), Würzburg (120), Mannheim (165), Göttingen (30), Elze (30), Hameln (45), Minden (30), Osnabrück (75), Hamm (60), Nienburg (30), Bremen (65), Oldenburg (120). Die Zahl in Klammern ist die ungefähre Kantenzeit gemäß Zielfahrplan. Eine Anpassung auf einen Standard 30/60 würde so viel Geld erfordern, wie die gesamte Schweiz für ihr Land ausgegeben hat. Außerdem wäre der Bahnhof Hannover dann viel zu klein.
Dem Knoten Hannover liegt tatsächlich ein grundsätzlich sehr gutes Konzept zugrunde:
S-Bahnen verkehren zur Minute 07 – 22 – 37 – 52 mit der Mindestumsteigezeit von 7 Minuten in die ICE-Züge des Nord-Süd-Verkehrs zur Minute 15 und 45.
Der Regionalverkehr wurde so gut wie möglich darin eingepasst, allerdings mit sehr vielen Kompromissen, die sich aus den oben genannten sehr unterschiedlichen Zeit—Entfernungen der Regionalknoten ergeben.
Weitere Unzulänglichkeit bezieht sich nur auf den Fernverkehr und nur in einzelnen Verbindungen. Die Bedeutung der sog. „Windmühle“ wird aber weit überschätzt, da tangentiale Verbindungen Hamburg – Berlin, Hamm – Kassel, Berlin – Hildesheim – Göttingen und Ruhrgebiet – Bremen – Hamburg die direkten Verbindungen besser bedienen und nur ein geringes Umsteigepotential zwischen den Fernzügen erwarten lassen. Eine Ausnahme ist die Anbindung nach Bremen, die sowohl von München wie von Berlin bestehen muss. Diese Anbindung ist gelungen. Auch die Verbindungen vom Fernverkehr zum Regionalverkehr sind gut genug hergestellt, dass man den Knoten Hannover nicht neu konzipieren muss.

Welche Zugverbindungen sind in der Schweiz in einem Integralen Taktfahrplan organisiert?

Grundsätzlich sind alle Zugverbindungen in den integralen Taktfahrplan eingepasst.

Sind diese Verbindungen ein Hochgeschwindigkeitsnetz?

Im Verhältnis zu deutschen oder französischen Ansprüchen wird man diese Frage mit „Nein“ beantworten. Die längste Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h gebaut und mit einer Steigung von 20 Promille nicht für den Güterverkehr tauglich. Man muss bedenken: die längste Verbindung in der Schweiz St. Gallen – Genf ist nur so lang wie Bielefeld – Berlin.

Sind alle großen Bahnhöfe in der Schweiz dem Integralen Taktfahrplan unterworfen?

Grundsätzlich ja. Ob ein Idealzustand erreicht wird, hängt aber von den jeweiligen Bedingungen der Infrastruktur ab.

Fahren die Züge in den Knotenbahnhöfen nur zur Taktzeit (volle/halbe Stunde) oder nur bestimmte Züge?

Weil Züge mit unterschiedlichen Haltepunkten auf der gleichen Strecke fahren, fahren sie hintereinander. Dadurch dauert es vom ersten Zug, der in Zürich ankommt, bis zum letzten, der abfährt, bis zu 20 Minuten.
Da in der Schweiz alle Züge zum gleichen Tarif fahren (auch ICE und TGV), gibt es keine Züge, die einem anderen System folgen.

 

Fragen zum deutschen integralen Takt

Wie kann man einerseits den Schweizer Takt über 20 Jahre planen, mit teils längeren Fahrzeiten etc.; andererseits der Meinung sein, einen Deutschlandtakt (Zielfahrplan) innerhalb von 3 Jahren entwickeln zu können?

Auch der deutsche Taktfahrplan wird schon seit 1971 entwickelt. Seit 1990 hat eine starke Entwicklung des Takt- und Knotensystems auf den Regionalstrecken eingesetzt, auf den die Planung des Deutschlandtakts aufsetzt. Der Zielfahrplan ist also nicht die Neuerschaffung eines vorher nie dagewesenen Systems, sondern lediglich die Optimierung eines vorhandenen Systems.

Wie kann es sein, dass der Zielfahrplan nach der 3. Berechnung als final angesehen wird, wo doch viele Fachleute mit höchster Expertise etliche Fehlstellen/Logikfehler aufzeigen?

Das „final“ ist eine politische Aussage von Bundesverkehrsminister Scheuer. In Fachkreisen ist man sich einig: Es wird einen vierten und weitere Entwürfe geben.
Die Fehlstellen sind sehr unterschiedlicher Natur. Es gibt wenige Fälle, in denen wirklich sinnvolle Alternativen durchdacht werden sollten, weil das Knotensystem das zulässt. Es gibt aber sehr viele „Experten“ (auch solche mit Professorentitel!), die die Komplexität einer solchen Arbeit weit unterschätzen und ein Problem nur mathematisch, betrieblich oder unter ökologischen Vorzeichen angehen. Man kann auch den Ansatz kritisieren, dass mit 300 km/h schnellen Zügen dem Flugverkehr Konkurrenz gemacht werden soll. Ein Blick in den „Zielfahrplan 2030“ (ohne Plus) zeigt aber, dass die Ergebnisse der Netzwirkung nicht schlechter sind als mit 300 km/h.

Der überwiegende Teil der Bahnnutzer sind Pendler. Wann und wie erfolgt die rechnerische Einbindung des Nahverkehrs? (Hat sich der Nahverkehr den Maßregeln des Zielfahrplans zu unterwerfen?)

Es ist umgekehrt: Der Zielfahrplan setzt bereits auf seit 30 Jahren entstandene und optimierte Nahverkehrsnetze auf.Der Fernverkehr hat nicht die Priorität, die Kritiker vermuten. Das Ziel besteht darin, sowohl Fern- und Nahverkehr integriert zu planen.

In nahezu allen Knotenpunkten wird von dem Ideal – Ankunft aller Züge vor der halben oder vollen Stunde, Abfahrt nach einer Umsteigezeit – abgewichen. Vielmehr ist mehr oder minder ein Kontinuum an Abfahrten erkennbar. Ein Phänomen, dass sich auch an Bahnhöfen in der Schweiz erkennen lässt, z.B. Zürich HB – hier gibt es in einer Stunde kaum eine Minute ohne die Abfahrt eines Zuges. Dazu folgende Fragen:
Ist es aufgrund der Taktdichte auf Hauptstrecken überhaupt sinnvoll, Takttreffen von Fernzügen vorzusehen, zumal sie mit Zeitverlust in Form der Synchronisationszeit einhergehen, die nicht umsteigenden Fahrgästen eine Reisezeitverlängerung bescheren? Gerade Fernverkehrsreisende wünschen sich auf großen Bahnhöfen eher großzügige Umsteigezeiten, die sich bei dichten Takten nahezu „von selbst“ ergeben.

Je dichter der Takt ist, umso weniger braucht man die Taktknoten. Es ist eher Zufall, dass mit dem Konzept, 300 km/h zu fahren, ein so annäherndes Knotensystem für Berlin – Hamm erreicht wurde. Das Problem ist der Anschluss aus dem Fernverkehr in den Nahverkehr und umgekehrt. Ein Knoten existiert z.B. in Magdeburg nur einmal in der Stunde. Dieser muss vom (praktisch einzigen) Fernzug erreicht werden. Sind aber „am anderen Ende“ – hier: Hamm, Münster, Hagen – weitere Taktknoten vorhanden, so müssen diese mit dem Knoten Magdeburg verbunden werden, um die Wirkung von Ausbauten wirksam werden zu lassen. Wird die Verbindung der Taktknoten auf beiden Seiten um wenige Minuten verpasst, so verlängert sich die Fahrzeit gleich um eine halbe oder ganze Stunde.
Mit Taktverdichtung kann beispielsweise das Problem Magdeburg nicht gelöst werden: Für einen dichteren Verkehr genügen die Fahrgastzahlen nicht, und die nur ein- und zweigleisigen Strecken würden die Bedienung von Zwischenstationen im Regionalverkehr nicht mehr zulassen.
Es ist ja gerade der Konflikt zwischen ICE, S-Bahn und Güterzügen, der den Engpass Wunstorf – Minden ausmacht und der durch mehr Gleise gelöst werden muss.

Zeigt der Zielfahrplan nicht, dass Taktknoten vor allem im Nahverkehr sinnvoll sind und Anschlüsse im Fernverkehr offenbar auch ohne sie hergestellt werden können? Sind die Fahrzeitvorgaben im Fernverkehr damit für ein funktionierendes System nicht nachrangig?

Die Fahrzeiten sind – wie zuvor gesagt – nicht nachrangig, sondern notwendig, weil sonst die Anschlüsse „aus der Region in die Region“ nicht gegeben sind.

Zwingend erscheinen Taktknoten vor allem auf eingleisigen Netzen, da sich die Züge nach der halben Taktzeit kreuzen und dort eine Begegnungsmöglichkeit benötigen. Sollte der Beseitigung entsprechender Engstellen daher besonderer Vorrang eingeräumt werden?

Vor 30 Jahren hätte man diese Frage bejahen müssen. Seither sind aber die meisten Regionalstrecken durch solche kleinen Maßnahmen so ertüchtigt worden, dass kaum noch Effekte erzielt werden können. Ein gutes Beispiel ist die Strecke Hannover – Soltau, die nach entsprechenden Ausbauten auf eine Fahrzeit von 70 Minuten kommt. Hier hat die Bahnreform mit der Regionalisierung einen Fortschritt ausgelöst, den man damals nicht für möglich hielt.
Die großen Kapazitäts-Engpässe bestehen auf den Hauptstrecken, und da stellt sich wiederum die Frage, ob man nur die Kapazitäten verbessert oder aber besser mit geringfügig mehr Geld auch Fahrzeitverkürzungen realisiert.

Der Schienenfernverkehr soll eigenwirtschaftlich betrieben werden – welche Anreize sind für Eisenbahnverkehrsunternehmen angedacht um Züge gemäß Zielfahrplantrassen zu fahren und nicht eigene Zugtrasse mit abweichender Haltestellencharakteristik zu bestellen?

Der stärkste Anreiz ist das Gewinnen von Umsteigern im Netz. Ein weiterer Aspekt ist der Umstand, dass andere Fahrlagen nicht frei verfügbar sind, sondern wiederum durch andere Züge bereits belegt sind. Für Konfliktfälle ist ein komplexes Abstimmungsverfahren im Gesetz vorgesehen. Darüber hinaus wird im Rahmen des Projekts Deutschlandtakt eine Art der Trassenvergabe diskutiert, die die Einhaltung der Taktzeiten und Haltekonzepte sicherstellt. Dies ist bereits gesetzlich zugelassen und wird von der DB erstmals für den Fahrplan 2024 im Projekt „mKoK“ realisiert, indem Systemtrassen angeboten werden, die Vorrang haben.

Fragen zum Ausbau der Bestandsstrecke

Ließe sich ein integraler Takt auf den Bestandstrassen schneller installieren als auf einer Neubaustrecke, die frühestens ab 2040 zur Verfügung steht?

Die Möglichkeiten, mit dem Ausbau von Bestandsstrecken, auf denen heute noch ICE verkehren, etwas zu erreichen, sind gleich null. Anders sieht es auf „Nebenstrecken“ wie etwa Hannover – Magdeburg aus. Aber: Der Ausbau einer zweigleisigen Bestandstrasse auf 4 Gleise oder die Begradigung einer kurvenreichen Altstrecke ist mindestens so aufwendig wie der Bau einer Neubaustrecke durch die freie Landschaft. Bauzeiten und Kosten werden unterschätzt. Um beispielsweise die Fahrzeit von 41 Minuten zwischen Hannover und Bielefeld über die Bestandsstrecke zu erreichen, muss von Hannover bis Bückeburg mit 300 km/h gefahren werden. Das erfordert einen Ausbaustandard, der weit über das hinausgeht, was man unter „Ausbau des Bestandes“ versteht.
Studieren kann man den Effekt an der Strecke Nürnberg – Ebensfeld: Der Ausbau begann 2016 und wird erst 2030 fertig sein. Die Strecke ist dafür bereits rund ein Jahr vollständig gesperrt gewesen, weitere Vollsperrungen werden wiederkehren und sind unvermeidbar.

Ließen sich auf den Bestandstrassen die erwarteten Passagier- und Frachtkapazitäten unterbringen, wenn man diese durchgängig viergleisig ausbaut und z.B. moderne Steuerungstechnik nachrüstet?

Diese Frage kann nur anhand der jeweiligen Strecke beantwortet werden. Große Probleme bestehen dort, wo in den Knoten heute keine kreuzungsfreien Ein- und Ausfädelungen bestehen. Dies gilt konkret vor allem für den Bahnhof Wunstorf. Es ist auf den ersten Blick erkennbar, dass dieser Bahnhof für höhere Kapazitäten nicht ertüchtigt werden kann, ohne tief in die Strukturen der Stadt einzugreifen. Ein Neubau ist hier eindeutig einfacher und schneller realisierbar.

Wie groß wäre nach Ertüchtigung der Bestandsstrecke der zeitliche Nachteil im Vergleich zur Neubaustrecke?

Diese Frage kann erst nach detaillierter Untersuchung beantwortet werden. Deshalb ist es so wichtig, dass diese Untersuchung der Bestandsstrecke erfolgt. Ein Ausbau unmittelbar neben den Bestandsgleisen und durch Haste und Wunstorf bringt maximal 2 bis 3 Minuten Fahrzeitvorteil, also eine Fahrzeit von 46 Minuten.

 

Fragen zur Fahrzeit Bonn – Berlin und zur Konkurrenz mit dem Flugverkehr

Wieso wird politisch an der Zielvorgabe Bonn-Berlin unter 4 Stunden festgehalten, obwohl sich die Flughafensituation in Berlin grundlegend geändert hat, diese Vorgabe zwangsläufig Hochgeschwindigkeit (300 km/h) und damit die teuerste Trassenbauweise erfordert sowie mindestens 20 Jahre zur Realisierung braucht und bis dahin überhaupt keine Verbesserung auf der Achse Bielefeld-Hannover zu erwarten ist?

Die Konkurrenz zum Flugverkehr ist nur ein Argument unter vielen. Selbst bei Aufgabe dieses Arguments bleiben die weiteren Gesichtspunkte wichtig und tragend.
Der Ausbau der Bestandsstrecke auf 4 Gleise ist weder von vornherein billiger noch schneller zu realisieren wie der Bau einer Neubaustrecke. Weiter hat die Untersuchung des Gesamtfahrplans ergeben, dass ein Ausbau auf nur 250 km/h zwar eine Fahrzeitverkürzung zwischen Berlin und Rhein/Ruhr ermöglicht, aufgrund der ungünstigen Anschlussverhältnisse aber die Fahrzeit aus der Region in die Region (z. B. Münsterland und Siegerland <> Sachsen-Anhalt und Sachsen) nicht verkürzen kann.

Bietet die Bahn einen vergleichbaren Service/Nutzen des Flugverkehrs – Stichwort Gepäck)?

Das kommt auf die jeweiligen Bedürfnisse der Reisenden an.
Das deutsche Bahnsystem bietet immer noch einen offenen Zugang ohne Vorbuchungszwang. Das kann der Flugverkehr nicht bieten.
Geschäftsreisenden bietet die Bahn den wesentlich längeren Zeitraum zum Arbeiten, auf den Hauptstrecken WLan. Geschäftsreisende nutzen den Gepäckservice des Flugverkehrs in der Regel nicht, weil die Aufgabe und Abholung zeitraubend ist.

 

Fragen zur Schnellfahrstrecke Bielefeld – Hamm

Im Zielfahrplan des Deutschlandtaktes ist eine Fahrzeit des ICE zwischen Bielefeld und Hamm (Westf.) von 21 Minuten vorgesehen. Diese Fahrzeit ist nur mit einer Erhöhung der Geschwindigkeit über 200 km/h hinaus erreichbar. Der Ausbau der Strecken Hamm – Bielefeld und Bielefeld – Hannover steht offensichtlich in direkten Zusammenhang. Dazu folgende Fragen:
Welche Vorplanungen gibt es bereits für den Ausbau Bielefeld – Hamm?

Es gibt keine bekannten Vorplanungen. Allerdings gibt es unter dem Titel „Robustes Netz“ Planungen für eine Kapazitätsverbesserung im Abschnitt Bielefeld – Gütersloh, die später relevant werden könnten. Unter anderem soll in Gütersloh ein zusätzlicher Bahnsteig gebaut werden.

Wie wirkt sich der Ausbau, insbesondere der Wegfall von Bahnsteigen an durchgehenden Hauptgleisen, auf die Kapazität der Strecke und die Fahrpläne langsamerer Züge aus?

Nach den bisher bekannten Vorstellungen der Gutachter sollen Güter- und langlaufende Regionalzüge auf den sog. Gütergleisen fahren, sodass dort neue Bahnsteige nötig werden. Über mögliche Gestaltungen sind auf der Seite
www.neubaustrecke-bielefeld-hannover.de bereits Ideen hinterlegt. Kapazitätseinschränkungen unter dem Gesichtspunkt „Bahnsteige“ sind bei sinnvoller Planung nicht zu erwarten.

Warum werden Kosten-Nutzen-Verhältnisse für Abschnitte Bielefeld – Hannover und Bielefeld – Berlin, nicht aber für Hamm – Hannover bzw. Hamm – Berlin genannt?

Grundsätzlich liegt es im Belieben der Bundesregierung, wie sie Streckenabschnitte zusammenfasst, um einen Nutzen darzustellen, der die Kosten übersteigt.
Der Ausbau Hamm – Bielefeld steht noch nicht im Bundesverkehrswegeplan. Das dürfte aus rechtlicher Sicht verhindern, dass dieser Abschnitt in eine offizielle Rechnung einbezogen wird. Es ist aber davon auszugehen, dass eine Abschätzung die Wirtschaftlichkeit schon bestätigt hat. Diese wurde für alle Projekte vorgenommen, die in den dritten Entwurf des Zielfahrplans eingegangen sind.

Wie würde sich der Zielfahrplan verändern, wenn sich der Ausbau der Strecke Hamm – Bielefeld wirtschaftlich oder technisch als nicht realisierbar erwiese und daher von einer Fahrzeit von 26 Minuten ausgegangen werden müsste?

Technisch ist der Ausbau möglich, sodass sich diese Frage nicht stellt. Auch die Wirtschaftlichkeit dürfte kein Problem sein, da die Kosten weit unter denen eines Neubaues liegen. Wirklich teuer sind Tunnelbauten, die hier keine Rolle spielen. Eine längere Fahrzeit zwischen Hamm und Bielefeld könnte aber auch auf den Abschnitten Hannover – Wolfsburg und Hannover – Braunschweig kompensiert werden.

Welche Auswirkungen hat die NBS auf den Güterverkehr hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Trassen und Fahrzeiten im direkten Vergleich zu heute (Stand 2019, vor-Corona).

Vor allem im Abschnitt Wunstorf – Minden wird der Güterverkehr durch die schnellfahrenden Züge deutlich verlangsamt und die Kapazität begrenzt. Wenn die schnellfahrenden Züge auf die Neubaustrecke verlagert werden, können Güterzüge ohne Überholung durchfahren, die Kapazität und Flexibilität wird deutlich erhöht. Quantitative Aussagen sind aber bisher nicht veröffentlicht.

Haben Sie Fragen, die hier nicht beantwortet werden?
Schreiben Sie an frage@neubaustrecke-bielefeld-hannover.de.

Verkehrlicher Vergleich von möglichen Varianten

Nachdem die DB Grobkorridore veröffentlicht hat, ist der früher hier veröffentlichte Vergleich gegenstandslos geworden. Einige mögliche Varianten sind nicht in den Grobkorridoren enthalten. Andere dürften nur theoretischer Natur sein, weil die in Betracht kommenden Ausfädelungen bzw. Eingriffe in den Bestand nicht vertretbar erscheinen. Ein verkehrlicher Vergleich wird hier erneut aufgelegt, wenn die DB Trassenvorschläge vorgelegt hat. Mit dieser Vorlage ist Ende 2022 zu rechnen.

Zum verkehrlichen Vergleich des Vorschlags der Studie Bahnzentrum/Widuland mit dem Zielfahrplan siehe hier.

Wie transparent ist das Verfahren? Worauf kommt es an?

Transparenz für das Verfahren der Festlegung einer Trasse für die Neubaustrecke Bielefeld – Hannover ist eine zentrale politische Forderung. Ist damit zu rechnen, dass das Verfahren transparent durchgeführt wird und wo liegt die Gefahr für intransparentes Vorgehen? Die Probleme liegen in der Einflussnahme durch verdeckte politische Faktoren. Der Einblick in andere laufende und abgeschlossene Verfahren ermöglicht eine Einschätzung.

OKGeografische Bearbeitung

Andere Projekte legen nahe, dass die Ermittlung der Grundlagen für die Auswahl von Trassenführung mit hohem Aufwand und großer Transparenz stattfindet. Diese Transparenz zeigt sich im zweiten Jahr des Verfahrens durch öffentlich zugängliche Geodaten und umfassenden Informationen.

OKEisenbahntechnische Ausgestaltung

Die eisenbahntechnischen Voraussetzungen liegen in der Hand der DB Netz AG. Viele Parameter sind durch technische Spezifikationen festgelegt und werden von der Aufsichtsbehörde Eisenbahnbundesamt überwacht, insoweit ist eine korrekte Anwendung sichergestellt. Andere Anforderungen wie die Anlage von Überholbahnhöfen sind durch unternehmerische Richtlinien der DB festgelegt und liegen nicht im Belieben der Planer. Die neueste Entwicklung zeigt, dass die DB von der Sparsamkeit der Ära Mehdorn endgültig Abschied nimmt und der betrieblichen Flexibilität wieder hohe Aufmerksamkeit schenkt.

AchtungVorgaben des Deutschlandtakts

Hier droht Intransparenz der Vorgaben.
Zwar liegt der Zielfahrplan 2030+ als Gutachten vor, die technischen Grundlagen sind aber nur unzulänglich, öffentlich bekannt. Im Grundsatz ist das Gutachten als richtungsweisend anzuerkennen. Die  Übernahme der Details wird aber von der Initiative Deutschlandtakt nicht ungeprüft akzeptiert. Insbesondere ist die Prüfung der Alternativen innerhalb des Deutschlandakt-Fahrplans nur unzulänglich erfolgt:
1. Die Fahrzeit Hannover – Bielefeld muss besser begründet werden, als dies bisher geschehen ist. Die mangelhafte Begründung hat Gegengutachten zur Folge, die ihrerseits nicht überzeugen können. Eine erste Auswertung der Geodaten. Deutet allerdings darauf hin, dass die Fahrzeit von 31 Minuten mit den geringsten Eingriffen im Umfeld der Bestandsstrecke verbunden sein kann. Sollte sich dieses herausstellen, wird diese Frage obsolet.
2. Der Ausbau der Schnellfahrstrecke Hamm – Bielefeld lässt mehr Varianten zu als vom Gutachter in Betracht gezogen. Hier ist es unerlässlich, alle Varianten zu diskutieren.

AchtungNutzen-Kosten-Rechnung

Hier droht Intransparenz auf mehreren Ebenen. Allerdings zeigen andere Projekte auf, dass es nur darauf ankommt, dass der errechnete Wert über 1 liegt, ohne dass einzelne Kostenfaktoren wirklich einen gravierenden Einfluss haben. Es ist daher immer zu hinterfragen, inwieweit Einzelfaktoren für die Trassenplanung relevant werden.
Die „Standardisierte Bewertung“  ist im Auftrag der Bundesregierung erarbeitet worden. Die Prüfung von Investitionen auf ihre volkswirtschaftlichen Nutzen ist haushaltsrechtlich vorgeschrieben.
Die Unterlagen des dafür verwendeten System stehen nur gegen Entgelt zur Verfügung und sind damit nicht öffentlich zugänglich. Die Erstellung der Bewertung ist komplex und daher nur von Fachinstituten leistbar. Inhaltlich wird das System von der Initiative Deutschlandtakt kritisiert, da  Fahrzeitvorteile im Punkt-Punkt-Verkehr überbewertet werden, während Netzwirkungen unterdurchschnittlich berücksichtigt werden. Somit wird die Bewertung der Idee eines Deutschlandtakts nicht gerecht. Bereits damit geraten verdeckte politische Wertungen in die transparent aussehende Berechnung.
Weiter gibt es Faktoren, für deren Bewertung systembedingt geldwerte Vorteile nur geschätzt werden können, damit sind politisch motivierte Einflussnahmen des Auftraggebers genauso möglich wie Wirksamkeit persönliche Einstechätzungen des Gutachters.
Intransparenz droht darüber hinaus bei der Information über den Inhalt der Nutzen-Kosten-Rechnung. Die bisherige Praxis zeigt, dass diese Berechnungen durch das Bundesverkehrsministerium veranlasst und nicht oder nicht vollständig veröffentlicht werden. Fehler oder Fehleinschätzungen in der Eingabe der maßgeblichen Werte können daher nicht nachvollzogen werden. Von früheren Projekten ist bekannt, dass sie aus politischen Gründen „schöngerechnet“ wurden. Das bekannteste Beispiel ist die Neubaustrecke Erfurt – Ebensfeld, für die Güterzüge eingerechnet wurden, die hier bis heute nicht fahren, weil die Steigungen keinen wirtschaftlichen Betrieb zulassen.
Schließlich unterliegen auch die Eingaben erheblicher politischer Einflussnahme.

FraglichNutzen

Die Darstellung des Nutzens hängt wesentlich von Verkehrsprognosen ab. So wird bisher aufgrund einer Verkehrsprognose aus 2016 für das Zieljahr 2030 gerechnet, diese liegt dem Bundesverkehrswegeplan 2030 zugrunde. Dem Zielfahrplan 2030+ liegt eine abweichende Verkehrsprognose zugrunde sowie das Ziel, mehr Verkehr auf die Schiene zu lenken. In den Prognosen wiederum sind politische Grundannahmen enthalten.
Weiter spielt die konkrete verkehrliche Ausgestaltung eine wesentliche Rolle, konkret etwa die Frage, wie viele Züge in welchen Verbindungen fahren sollen. Projekte außerhalb des Neubauabschnitts, etwa die Herrenhausen-Kurve, können erheblichen Einfluss darauf haben.

FraglichKosten

Die angesetzten Kosten sind grundsätzlich zu hinterfragen. Für manche Baumaßnahmen gibt es fachlich abgesicherte Werte, die einer Offenlegung zugänglich sind. Risiken sind nie auszuschließen, diese werden aber, wie aus anderen Vorhaben ersichtlich, abgeschätzt und berücksichtigt.

AchtungParlamentarische Befassung

Hier droht Intransparenz durch vereinfachte Berichterstattung an das Parlament.
Die Transparenz kann nur so weit reichen, wie es das vorbereitende Planungsverfahren zulässt. Nicht aufgeschlüsselte Eingabewerte bei der Nutzen-Kosten-Berechnung oder bei den Vorgaben des Deutschlandtakts werden in dem gekürzten Bericht an den Bundestag nicht mehr sichtbar, wie die vorliegenden Dokumente nahelegen.

Fazit

Politisch interessant ist, dass die derzeit gern veröffentlichten Forderungen nach Transparenz auf Unkenntnis von den Zusammenhängen hindeuten. Wenn Transparenz anzumahnen ist, dann gegenüber dem Bundesverkehrsministerium. Es wird im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung notwendig sein, die politischen Einflussfaktoren herauszuarbeiten, für die die DB als Vorhabenträger nicht verantwortlich ist,  und ihre Offenlegung einzufordern.

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Vergleichbare Projekte

Um schon jetzt zu verstehen, wie die DB vorgeht und weitere Verfahrensschritte aussehen, lohnt es sich, vergleichbare Projekte anzuschauen. Wir stellen hier fünf Projekte in verschiedenen Planungsphasen vor.

Informationsstand Februar 2022.

Schnellfahrstrecke Ulm – Augsburg

Das Projekt hat einen ähnlichen Zuschnitt wie Bielefeld – Hannover, ist aber als Verbindung zwischen 2 Punkten einfacher hinsichtlich der Zielfahrzeit und Streckenführung.
Hier ist die Suche nach prüffähigen Trassen abgeschlossen, die vertiefte Prüfung der Trasse hat begonnen und bereits zu weiterführenden Ergebnissen geführt.
Einige der Trassen leben in kurzen Abschnitten die Schienen neben den Bestand und die Planer warnen hier recht deutlich vor den Eingriffen in die angrenzenden Grundstücke.
Zur Website.

Schnellfahrstrecke Fulda – Bad Hersfeld – Gerstungen

Dieses Projekt ist durch einen großen Suchraum hinsichtlich der möglichen Trassen ähnlich komplex wie Bielefeld – Hannover. Am 11.3.2022 wurde die Vorzugstrasse vorgestellt. Am Ende waren zwei Trassenvorschläge fast gleich bewertet, die Trasse, die durch Bad Hersfeld führt, wurde als Vorzugstrasse ausgewählt.
Link zur Website.

Kurve Kassel

Ein vergleichsweise kleines und damit aber übersichtliches und leicht zu verstehendes Neubauprojekt.
Hier ist die Beurteilung der geprüften Trassen abgeschlossen. Die Feststellung der Vorzugstrasse steht unmittelbar bevor. Es ist gut zu beobachten, wie die vorgeschlagenen Trassen nicht nur verglichen, sondern auch weiterentwickelt wurden. Das ergibt sich aus den Protokollen des Runden Tisches unter Downloads > Runder Tisch.

Schnellfahrstrecke Rhein-Main – Rhein-Neckar

Daran wird schon seit Jahrzehnten geplant. Zu einem Ergebnis konnte aber erst ein Neu starrt der Planung mit der heutigen Methodik führen. Dieses Ergebnis ist mit der Festlegung der Vorzugstrasse erreicht.
Zur Website
Link: Einen umfassenden Eindruck von der Tiefe der Variantenprüfung gibt ein Dokument zur 11. Sitzung des Beteiligungsforums.

 

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Suchraum und Schüßler-Varianten

Was bedeuten Suchraum und Schüßler-Varianten zur Neubaustrecke Bielefeld – Hannover?

Die Details der Trassenvorschläge von Schüßler Plan sind  Ende 2020 veröffentlicht worden. Die Details sind zwar ingenieurtechnisch nachvollziehbar, aber politisch wie fachlich fragwürdig und daher nur als sehr grobe politische Richtschnur des Bundesverkehrsministeriums ohne Verbindlichkeit für die Deutsche Bahn AG zu betrachten. Je weiter die Planung voranschreitet, umso mehr wird sichtbar, dass die Arbeit von Schüßler Plan nicht den Mindestanforderungen an eine technisch und ökologisch vertretbare Planung genügt.

Der Suchraum

Die Festlegung des Suchraums ist der erste Schritt einer qualifizierten Planung. Für den Suchraum wurden die Raumwiderstände ermittelt, um Grobtrassen für eine vertiefte Suche festzustellen. Dieser Schritt ist für die Neubaustrecke Bielefeld – Hannover abgeschlossen. Mehr zu den ermittelten Geodaten und zur Verwendung ist hier zu finden.
Entgegen der ersten Erwartungen hat die Prüfung des Suchraums keine großen Überraschungen ergeben.
Neubaustrecke Bielefeld - Hannover Karte Bürgerdialog

Diese Skizze gibt einen groben Überblick über den Suchraum.

 

Die Varianten nach Schüßler Plan

In den Jahren 2015 bis 2020 hat das Planungsbüro Schüßler Plan Entwürfe für 5 Trassenvarianten für eine Neubaustrecke Bielefeld – Hannover nebst Erläuterungen erstellt. Auftraggeber war das Bundesverkehrsministerium. Nach Aussage von Staatssekretär Enak Ferlemann am 14.1.2021 diente dieses Papier der Simulation, ob eine Neubaustrecke wirtschaftlich und eisenbahntechnisch darstellbar ist.
Da den Trassenvarianten von Schüßler Plan keine ökologische Prüfung zugrunde liegt, sollte aus den Plänen niemand ableiten, ob er betroffen ist oder nicht. Diese Einschätzung aud dem Jahr 2021 hat sich mit der Vorstellung der Trassenentwürfe durch die Planer von DB InfraGo am 13. August 2024 bewahrheitet.

Inhalt des Papiers von Schüßler Plan

Schüßler Plan zeigt 5 Varianten auf, die aus dieser Grafik grob ersichtlich sind. Dazu werden Kosten (Baukostenindex 2015) und Fahrzeiten genannt.

Varianten Schüßler Plan

Fachliche Qualität mangelhaft

Eine vertiefte Prüfung einiger entscheidender Details wie der Ausfädelungen im Bereich Bielefeld-Brake und Bad Oeynhausen  lässt erkennen, dass die Vorschläge vom Schüßler Plan mit der Vorgabe nicht vereinbar sind, dass die Bestandsstrecke weiterhin viergleisig nutzbar sein soll:
Ausfädelung Bielefeld-Brake
Die Zeichnungen hierzu zeigen, dass die Neubaustrecke ebenerdig ausschwenken soll. Entweder sind die Gleise des Bestandes dann gar nicht mehr nutzbar oder die Geschwindigkeit muss auf die zulässigen Höchstgeschwindigkeiten der Weichen begrenzt werden. Wenn die Ausfädelung kreuzungsfrei erfolgen soll, sind tiefe Eingriffe in den Bestand erforderlich, außerdem muss die einzige Bahnunterführung in der Ortslage beseitigt werden.
Ausfädelung Bad Oeynhausen
Auch hier ist die Ausfädelung nicht kreuzungsfrei geplant. Der besonders schwierige Abschnitt im Bereich der Autobahn-Ausfahrt Porta Westfalica wird nicht näher betrachtet. Anscheinend geht Schüßler Plan einfach davon aus, dass – genau wie in Brake – Gewerbebetriebe einfach abgerissen werden können. Eine kreuzungsfreie Ausfädelung scheitert an der engen Bebauung, wäre nur mit Parametern nur für den Personenverkehr möglich.

Verkürzte Neubaustrecke Seelze – Bad Oeynhausen

Die von Schüßler Plan unter den Varianten 3 und 4 tauchen in einem Vorschlag des VCD vom November 2024 erneut auf. Während die Arbeiten von Schüßler Plan noch auf den Annahmen des ersten Entwurfs des Zielfahrplans 2030+ beruhte, dass stündlich ein ICE-Zug je Richtung fahren sollte (entsprechend dem Fahrplan seit dem Jahr 2000), muss heute die Verkehrsprognose 2040 zugrunde gelegt werden, die im Oktober 2024 veröffentlicht wurde. Mehr zu dieser Thematik lesen Sie hier.

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Ausbau Hannover – Wolfsburg ist als Alternaive

Die im Zielfahrplan 2030+ vorgesehene Fahrzeit Hannover – Wolfsburg von 29 Minuten ist ohne weitere Ausbaumaßnahmen erreichbar (Höchstgeschwindigkeit 200 km/h). Der Zielfahrplan 2030+, 3. Entwurf, sah einen abschnittsweisen viergleisigen Ausbau Dollbergen – Gifhorn vor, der aber nicht als bedarfsplanrelevant bezeichnet wurde (Nr. 24 der Liste „Infrastrukturliste: nicht bedarfsplanrelevante Maßnahmen“). Die Fortschreibung des Zielfahrplans 2025 führt nunmehr einen viergleisigen Ausbau Immensen-Arpke – Gifhorn vor (lfd. Nr. 181 der Anlage 6).

Der gegenwärtige Zustand

Gifhorner Kreuz
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Fernverkehr:
Zwischen Hannover und Wolfsburg benötigen ICE-Züge heute in der Regel 32 Minuten. Diese Fahrzeit ist von der Leistungsfähigkeit der ICE-Baureihe 2 abgeleitet. In Einzelfällen sind aus dem Fahrplan auch Fahrzeiten von 31 und 30 Minuten ersichtlich, die mit stärker motorisierten Fahrzeugen erreicht werden. Da der Zielfahrplan 2030+ auf der Leistungsfähigkeit der ICE-Baureihe 3 beruht, dürfte die Fahrzeit von 29 Minuten mit diesem Fahrzeugtyp ohne wesentliche Ausbauten erreichbar sein.

Regionalverkehr:
Das Gifhorner Kreuz besteht aus den Bahnstrecken Hannover – Wolfsburg und Braunschweig – Uelzen. Sie treffen sich im Bahnhof Gifhorn (früher Isenbüttel-Gifhorn)
Die Strecke Braunschweig – Uelzen ist eingleisig. Derzeit wird sie so ausgebaut, dass sie halbstündlich befahren werden kann. Dafür werden die Haltepunkte Röttgersbüttel und Braunschweig-Kralenriede so ausgebaut, dass dort Zugkreuzungen möglich sind. Derzeit finden die Zugkreuzungen in Röttgersbüttel statt. Der Bahnhof, in dem sich diese Linie mit der Linie Hannover – Wolfsburg kreuzt, liegt dazwischen und wird aus Richtung Braunschweig etwa zur Minute 20 und in Richtung Braunschweig zur Minute 40 bedient. Mithin ist der Bahnhof Gifhorn kein integraler Taktknoten. Die Züge der Regionallinie Hannover – Wolfsburgverkehren stündlich und halten in Gifhorn etwa zur Minute 30. Damit werden Richtungsanschlüsse nach Gifhorn Stadt und weiter nach Uelzen hergestellt. Eine Haltezeit von 4 Minuten ermöglicht Überholungen durch andere Züge. Dieser Fahrplan ist nur stündlich fahrbar, da im halbstündlich versetzten Fahrplan Fernverkehrszüge überholen müssen. Dies ist an den Fahrplänen der Verstärkerzüge zu Spitzenzeiten ersichtlich, die nicht im Takt verkehren können.

Zielfahrplan 2030+ in der Fassung der Fortschreibung 2025

• Die Regionalzüge Hannover – Wolfsburg sollen halbstündlich verkehren.
• Bis zu 5 Fernverkehrszüge verkehren:
Hannover Hbf ab Minute 03, 15, 26 / 29, 33, 56.

Der Ausbau-Abschnitt und die Konsequenzen

Der viergleisige Abschnitt ist 32,5 km lang. Die Fahrzeit des Regionalzugs beträgt 22 Minuten, die Fahrplanlücke für den Fernverkehr ist um die Haltezeit länger und beträgt 24 Minuten.
Die Fahrzeit eines durchfahrenden ICE 10,5 Minuten. Unter Beachtung der Zugfolge (ECTS) von 3 Minutenkönnen 2 Fernzüge im Blockabstand überholen, die Übertragung von Verspätungen findet bereits bei einer Abweichung von mehr als einer Minute eines der jeweils drei beteiligten Züge statt. Damit ist diese Gestaltung des Verkehrs nicht zukunftsfähig und führt zu einer mangelhaften Betriebsqualität. Die Fahrplanlage des Angebots 34.a (Amsterdam – Berlin) ist nur möglich, wenn der Nahverkehr ausfällt oder eine erheblich längere Fahrzeit erhielt, gleiches gilt für einen Sprinter Köln – Berlin, der im Deutschlandtakt nicht berücksichtigt ist.

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